Kurz gesagt
- Turbulenzen sind unsichtbare Wirbel in der Luft. Laut der US-Luftfahrtbehörde FAA sind sie normal und häufig.
- Für das Flugzeug sind sie in aller Regel ungefährlich. Verkehrsflugzeuge sind ausdrücklich für Böen und Turbulenz gebaut.
- Das eigentliche Risiko sind Verletzungen bei Menschen ohne Gurt. Bleiben Sie deshalb während des ganzen Flugs angeschnallt.
- Das Fallgefühl entsteht im Gleichgewichtsorgan. Ihr Körper schlägt Alarm, obwohl das Flugzeug sicher weiterfliegt.
Was sind Turbulenzen im Flugzeug?
Turbulenzen sind Luftbewegungen, die man normalerweise nicht sieht. So beschreibt es die FAA. In der Luft bilden sich Wirbel und lösen sich wieder auf. Diese Wirbel drücken das Flugzeug kurz nach oben oder nach unten. Das Absacken nennen viele „Luftloch“. Ein Loch in der Luft gibt es aber nicht. Darauf weist der Deutsche Wetterdienst (DWD) ausdrücklich hin. Das Flugzeug fliegt nur durch Luft, die sich ungleichmäßig bewegt.
Piloten unterscheiden vier Stufen. Sie reichen von leicht über mäßig und schwer bis extrem. Leichte Turbulenz gilt laut DWD nicht als Gefahr für die Luftfahrt. Sie wird deshalb nicht einmal eigens vorhergesagt. Bei mäßiger Turbulenz (englisch „moderate“) spüren Sie den Gurt deutlich. Lose Gegenstände verrutschen. Der Service und das Gehen im Gang werden schwierig. Das Flugzeug bleibt dabei nach den Kriterien der FAA jederzeit unter Kontrolle.
Wie entstehen Turbulenzen?
Turbulenzen haben verschiedene Ursachen. Die wichtigsten nennen FAA und DWD:
- In und um Wolken. Dort gibt es starke Auf- und Abwinde. Am heftigsten sind sie in Gewittern.
- Über warmem Land. Die Sonne heizt den Boden auf. Warme Luft steigt in Blasen auf und daneben sinkt Luft ab. Solche Thermik und den Bodenwind spüren Sie vor allem in geringer Höhe.
- Hinter Gebirgen. Starker Wind strömt über den Kamm und gerät dahinter in Wellen.
- Bei klarem Himmel. In großer Höhe treffen Luftmassen mit sehr unterschiedlicher Geschwindigkeit aufeinander. Etwa im Bereich eines Jetstreams. Fachleute sprechen dann von Clear Air Turbulence. Sie ist mit bloßem Auge nicht zu erkennen.
- Hinter anderen Flugzeugen. Große Flugzeuge ziehen Luftwirbel hinter sich her. Deshalb achtet die Flugsicherung bei Start und Landung auf genug Abstand.
Sind Turbulenzen für das Flugzeug gefährlich?
Für das Flugzeug selbst sind Turbulenzen in aller Regel ungefährlich. Verkehrsflugzeuge müssen strenge Bauvorschriften erfüllen. In Europa legt sie die Agentur für Flugsicherheit EASA fest. Die Vorschriften verlangen ausdrücklich eine Auslegung für Böen und Turbulenz. Die Struktur muss mindestens das 2,5-Fache der Last im ruhigen Geradeausflug aushalten. Darauf kommt noch ein Sicherheitsfaktor von 1,5.
Das zeigt sich auch in den Unfallberichten. Die US-Unfallbehörde NTSB hat Turbulenz-Unfälle von US-Fluggesellschaften aus den Jahren 2009 bis 2018 ausgewertet. In den meisten Fällen wurde mindestens ein Mensch schwer verletzt. Das Flugzeug selbst blieb dabei meist unbeschädigt.
Zur ehrlichen Antwort gehört auch: Extreme Turbulenz kann ein Flugzeug beschädigen. Die stärksten Turbulenzen entstehen laut DWD in Gewittern und hinter Gebirgen. Solche Bereiche umfliegen Piloten nach Möglichkeit. Die FAA hat dafür eigene Leitlinien und Vorhersagen entwickelt. Wie sicher Fliegen insgesamt ist, lesen Sie im Artikel Wie sicher ist Fliegen?
Das eigentliche Risiko: nicht angeschnallt sein
Schwer verletzt werden bei Turbulenzen fast nur Menschen ohne Gurt. Die NTSB zählte in ihrer Auswertung 123 Schwerverletzte. Nur ein einziger davon war nachweislich angeschnallt. Fast vier von fünf Verletzten waren Flugbegleiterinnen und Flugbegleiter. Sie arbeiten oft stehend in der Kabine. Von den verletzten Fluggästen mit bekanntem Unfallort wurde fast die Hälfte in oder nahe einer Toilette verletzt.
Neuere Zahlen der FAA zeigen dasselbe Bild. Von 2009 bis 2024 zählte sie bei US-Fluggesellschaften rund 200 schwere Verletzungen durch Turbulenzen. Etwa vier von fünf trafen die Crew. Bei den Fluggästen waren es 40 in 16 Jahren.
Daraus folgt der wichtigste Rat dieses Artikels: Bleiben Sie während des ganzen Flugs angeschnallt. Das empfiehlt auch die FAA. Lassen Sie den Gurt geschlossen, auch wenn das Anschnallzeichen aus ist. Der DWD bringt es auf den Punkt: „Wer angeschnallt ist, muss sich aber keine Sorgen machen.“
Was bei Turbulenzen im Körper passiert
Bei einer Turbulenz reagiert Ihr Körper schneller als Ihr Verstand. Im Innenohr sitzt das Gleichgewichtsorgan. Es meldet dem Gehirn jede Beschleunigung. Sackt das Flugzeug kurz ab, fühlen Sie sich für einen Moment leichter. Der Magen scheint sich zu heben. Laut DWD reagiert der Mensch recht empfindlich auf Änderungen der Gewichtskraft. Deshalb ist gerade das überraschende Absinken so unangenehm.
Das Absacken fühlt sich an wie Fallen. Ihr Körper schaltet auf Alarm. Er schüttet Stresshormone wie Adrenalin aus. Das Herz schlägt schneller und Sie beginnen zu schwitzen. So beschreibt das Gesundheitsportal des Bundes die Angstreaktion. Sie soll Energie für Kampf oder Flucht bereitstellen. Im Flugzeugsitz ist beides nicht möglich.
Dazu kommt ein zweiter Effekt. Die Augen sehen eine ruhige Kabine. Das Innenohr meldet Bewegung. Passen diese Signale nicht zusammen, kann Ihnen übel werden. Angst macht das laut MSD Manual noch wahrscheinlicher.
Oft beginnt dann ein Kreislauf. Sie spüren das Herzklopfen und deuten es als Gefahr. Die Angst steigt und der Körper legt nach. Das Gesundheitsportal nennt das den Teufelskreis der Angst. Wichtig zu wissen: Diese Reaktion ist sehr unangenehm. Sie sagt aber nichts über den Zustand des Flugzeugs. Wird daraus eine Panikattacke, finden Sie Hilfe im Artikel Panikattacke im Flugzeug.
Was hilft bei Turbulenzen im Flugzeug?
Wenn es wackelt, braucht Ihr Körper Halt und Ihr Kopf eine klare Aufgabe. Diese Schritte können helfen:
- Lassen Sie den Gurt geschlossen. Er ist Ihr wichtigster Schutz. Und er gibt Ihrem Körper spürbaren Halt.
- Schauen Sie in die Ferne. Richten Sie den Blick auf den Horizont oder einen festen Punkt weit vorne. Das empfiehlt das MSD Manual gegen Übelkeit durch Bewegung.
- Lehnen Sie sich an. Legen Sie Kopf und Rücken an die Lehne. Halten Sie Kopf und Körper möglichst ruhig.
- Atmen Sie länger aus als ein. Zählen Sie beim Einatmen bis vier und beim Ausatmen bis sechs.
- Lösen Sie den Griff. Legen Sie die Hände offen auf die Oberschenkel. Drücken Sie die Füße fest in den Boden.
- Benennen Sie, was passiert. Sagen Sie sich innerlich: „Das ist eine Turbulenz. Sie ist unangenehm. Ich bin angeschnallt.“
- Geben Sie dem Kopf etwas zu tun. Musik oder ein Hörbuch lenken ab. Ablenkung löst die Angst nicht. Eine holprige Strecke wird damit aber oft leichter.
Steht Ihr Flug noch bevor, lohnt sich auch ein Blick auf den Sitzplan. Über den Tragflächen spüren Sie Bewegungen meist am wenigsten. Mehr dazu lesen Sie im Artikel Sicherster Platz im Flugzeug.
Wenn die Angst vor Turbulenzen bleibt
Vielleicht kennen Sie jetzt alle Fakten. Und trotzdem verkrampft sich beim ersten Ruckeln alles in Ihnen. Das ist kein Denkfehler und keine Schwäche. Wissen beruhigt den Kopf. Ihr Körper reagiert aber auf das, was er spürt. Oft hängt die Angst an einem älteren Erlebnis: an einem Moment von Fallen, Enge oder Hilflosigkeit. Ihr Nervensystem hat damals gelernt, dass solche Momente gefährlich sind. Bei jedem Absacken springt diese Reaktion heute automatisch an.
Genau dort setze ich im Coaching an. Wir suchen den Moment, an dem Ihre Angst hängt. Mit emTrace® und MeSource bearbeiten wir die emotionale Ladung dieser Erfahrung. Damit Ihr Körper bei der nächsten Turbulenz ruhiger reagieren kann. Sie lernen außerdem Schritte für den Moment, in dem die Anspannung an Bord steigt. Erfahrungsgemäß reichen dafür wenige Sitzungen. Ideal ist ein Start drei bis vier Wochen vor dem Abflug. Wie das Coaching abläuft, lesen Sie auf der Seite Coaching bei Flugangst.
„Bei den Rückflügen wurde bereits zu Beginn vom Piloten bekannt gegeben, dass wir Turbulenzen erwarten. Dies hat mich erstaunlicherweise nicht weiter beunruhigt.“





