Kurz gesagt
- Eine Panikattacke ist eine plötzliche Welle starker Angst. Sie erreicht meist innerhalb von zehn Minuten ihren Höhepunkt und klingt dann wieder ab.
- Panikattacken sind sehr unangenehm, aber an sich nicht gefährlich. Bei Schmerzen in der Brust oder Atemnot informieren Sie trotzdem immer die Crew.
- An Bord helfen ein kurzer Satz an die Crew, langes Ausatmen und ein Anker im Hier und Jetzt.
- Eine einzelne Attacke ist noch keine Panikstörung. Kommen die Attacken auch im Alltag, gehört das in ärztliche oder psychotherapeutische Hände.
Was bei einer Panikattacke im Körper passiert
Bei einer Panikattacke schaltet Ihr Körper auf Alarm. Und zwar so, als wäre eine echte Gefahr da. Das Herz schlägt schneller. Die Atmung wird flach und hastig. Die Muskeln spannen sich an. Ihr Körper bereitet sich auf Kampf oder Flucht vor. Im Flugzeug ist beides nicht möglich. Genau das macht die Situation so bedrohlich.
Laut MSD Manual beginnen die Beschwerden schnell. Sie erreichen innerhalb von etwa zehn Minuten ihren Höhepunkt und lassen dann wieder nach. Typisch sind:
- Herzklopfen oder Herzrasen
- Kurzatmigkeit oder das Gefühl zu ersticken
- Schmerzen oder Beschwerden in der Brust
- Schwindel, Zittern oder Schwitzen
- Kribbeln in den Lippen und Fingern
- Übelkeit oder Bauchschmerzen
- die Angst, zu sterben oder den Verstand zu verlieren
- das Gefühl, dass alles um Sie herum nicht echt ist
Das MSD Manual hält auch fest: Panikattacken sind unangenehm und beängstigend, aber nicht gefährlich. Und sie sind häufig. Jedes Jahr erlebt etwa jeder zehnte Erwachsene eine Panikattacke. Sie sind damit also nicht allein. Mehr über diese Alarmreaktion lesen Sie im Artikel Kampf, Flucht und Erstarrung auf meiner Seite für Einsatzkräfte.
Warum gerade das Flugzeug Panik auslösen kann
Im Flugzeug kommen mehrere Auslöser zusammen. Viele davon kennt der Körper als Warnsignal.
- Enge: Sie sitzen dicht an dicht und können nicht einfach gehen.
- Kontrollverlust: Jemand anderes steuert. Sie können nur sitzen und abwarten.
- Lärm und Schub: Beim Start werden die Triebwerke laut und das Flugzeug beschleunigt stark.
- Bewegung: Ein Absacken in Turbulenzen fühlt sich an wie Fallen.
- Keine Pause: Zwischen Einsteigen und Aussteigen liegen oft Stunden.
Viele Menschen erzählen mir, dass der schlimmste Moment vor dem Abheben kommt. Die Tür ist zu und die Gurte sind fest. Dann rollt das Flugzeug los und wird laut. Genau diesen Moment beschreiben auch Klientinnen und Klienten in ihren Erfahrungsberichten.
Dazu kommt oft die Angst vor der Angst. Wer einmal eine Panikattacke im Flugzeug hatte, fürchtet beim nächsten Flug vor allem die nächste Attacke. Diese Erwartung kann die Anspannung schon Tage vorher steigen lassen. Eine verwandte Alarmreaktion kennen viele aus Prüfungen. Dort zeigt sie sich als Blackout in der Prüfung.
Was Sie im Flugzeug sofort tun können
Wenn die Welle kommt, brauchen Sie keine perfekte Technik. Sie brauchen ein paar einfache Schritte. Und eine Gewissheit: Die Attacke geht vorbei.
- Sagen Sie der Crew Bescheid. Ein Satz genügt: „Ich habe gerade eine Panikattacke.“ Sie müssen das nicht allein durchstehen. Die Crew kann Ihnen ein Glas Wasser bringen oder kurz bei Ihnen bleiben.
- Atmen Sie länger aus als ein. Atmen Sie durch die Nase ein und zählen Sie dabei bis vier. Atmen Sie durch leicht geöffnete Lippen aus und zählen Sie bis sechs. Langsames und kontrolliertes Atmen ist laut MSD Manual auch ein Baustein der Verhaltenstherapie bei Panik.
- Holen Sie sich ins Hier und Jetzt. Nennen Sie im Kopf fünf Dinge, die Sie sehen. Dann vier Dinge, die Sie spüren. Dann drei Geräusche. Zum Schluss zwei Gerüche und einen Geschmack. So wandert Ihre Aufmerksamkeit von der Angst zu Ihrer Umgebung.
- Geben Sie Ihrem Körper Halt. Drücken Sie die Füße fest in den Boden. Legen Sie die Hände flach auf die Oberschenkel. Spüren Sie, wie der Sitz Sie trägt.
- Kämpfen Sie nicht gegen die Welle. Sagen Sie sich innerlich: „Das ist eine Panikattacke. Sie ist unangenehm. Sie geht vorbei.“ Viele Menschen erzählen mir: Die Angst wird kleiner, sobald sie nicht mehr dagegen ankämpfen.
- Stehen Sie auf, wenn es erlaubt ist. Ist das Anschnallzeichen aus, gehen Sie ein paar Schritte zur Bordküche. Ein kalter Becher Wasser in der Hand gibt zusätzlich Halt.
Mehr Tipps für die Wochen vor dem Flug und den Reisetag finden Sie im Artikel Was tun bei Flugangst?
Brustschmerz an Bord: Immer die Crew informieren
Schmerzen in der Brust gehören zu den typischen Zeichen einer Panikattacke. Sie können aber auch auf einen Herzinfarkt hinweisen. Sicher unterscheiden lässt sich das an Bord nicht. Deshalb gilt: Bei Brustschmerz oder Atemnot informieren Sie sofort die Crew. Das gilt auch dann, wenn Sie es für „nur“ Panik halten.
Die Deutsche Herzstiftung nennt akute Brustschmerzen ein Alarmsignal für einen Herzinfarkt. Typisch sind plötzliche starke Schmerzen im Brustkorb oder hinter dem Brustbein. Sie halten länger als fünf Minuten in Ruhe an. Oft strahlen sie in die Arme oder den Rücken aus. Auch Hals, Kiefer und Oberbauch können betroffen sein. Am Boden heißt das: sofort die 112 anrufen. Im Flugzeug ist die Crew Ihr erster Notruf.
Die Crew kann ärztlichen Rat vom Boden einholen. Und oft ist Hilfe direkt an Bord. Eine Studie im New England Journal of Medicine wertete fast 12.000 medizinische Notfälle auf Flügen aus. In fast der Hälfte der Fälle half ein Arzt oder eine Ärztin unter den Fluggästen. Haben Sie eine Herzerkrankung, sprechen Sie vor dem Flug mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Wenn die Enge die Panik auslöst
Bei manchen Menschen ist nicht das Fliegen der Auslöser. Es ist das Gefühl, eingesperrt zu sein. Im Alltag nennen viele das Platzangst. Fachlich ist das nicht ganz richtig. Laut BARMER heißt die Angst vor engen Räumen Klaustrophobie. Der Fachbegriff für Platzangst ist dagegen Agoraphobie. Sie bildet eine eigene Diagnosegruppe.
Was bei Enge an Bord helfen kann:
- Wählen Sie einen Gangplatz. Dort haben Sie seitlich Luft und können leichter aufstehen.
- Steigen Sie früh ein. Dazu rate ich meinen Klienten. So finden Sie in Ruhe Ihren Platz, bevor es im Gang voll wird.
- Richten Sie die Luftdüse auf Ihr Gesicht. Ein kühler Luftzug kann das Gefühl von Enge mildern.
- Schauen Sie in die Weite. Ein Blick aus dem Fenster oder den Gang entlang gibt den Augen Raum.
- Teilen Sie lange Flüge in Abschnitte. Erst Start und Essen. Dann ein Film. Dann Ruhe bis zum Landeanflug.
Kennen Sie die Angst vor Enge auch aus dem Alltag? Etwa im Aufzug oder im Tunnel? Dann sprechen Sie darüber mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Einzelne Panikattacke oder Panikstörung?
Eine einzelne Panikattacke im Flugzeug ist noch keine Panikstörung. Viele Menschen erleben eine oder wenige Attacken in einer bestimmten Lage. Laut MSD Manual spricht man von einer Panikstörung, wenn Panikattacken immer wieder auftreten. Hinzu kommt die ständige Angst vor weiteren Attacken. Oder die Betroffenen meiden Orte und Tätigkeiten aus Sorge vor einer neuen Attacke.
Achten Sie auf diese Zeichen:
- Die Attacken kommen auch am Boden und ohne erkennbaren Anlass.
- Sie denken ständig an die nächste Attacke.
- Sie meiden nicht nur Flüge. Sie meiden auch andere Orte wie Aufzüge oder Menschenmengen.
Wenn Sie sich darin wiederfinden, führt der erste Weg zu Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Dort wird auch geprüft, ob eine körperliche Ursache dahintersteckt. Bei Schmerzen in der Brust wird zum Beispiel das Herz untersucht. Für die Panikstörung empfiehlt die S3-Leitlinie zur Behandlung von Angststörungen eine kognitive Verhaltenstherapie. Coaching ersetzt diese Behandlung nicht.
Vorbeugen: Was vor dem nächsten Flug hilft
Nach einer Panikattacke lohnt es sich, den nächsten Flug gut vorzubereiten. Wer einen Plan hat, fühlt sich weniger ausgeliefert.
- Üben Sie Ihre Atemtechnik täglich. Beginnen Sie am besten schon Wochen vor dem Flug. Dann ist sie im Ernstfall vertraut.
- Legen Sie Ihre drei wichtigsten Schritte fest. Schreiben Sie sie auf einen Zettel oder ins Handy. Zum Beispiel: Crew informieren. Lang ausatmen. Füße in den Boden drücken.
- Weihen Sie Ihre Begleitung ein. Sagen Sie vorher, was Ihnen im Ernstfall hilft. Und was nicht.
- Gehen Sie den Flug im Kopf durch. Stellen Sie sich auch den Moment vor, in dem die Angst kommt. Und wie Sie dann Ihre drei Schritte gehen.
Wenn die Panik einen älteren Ursprung hat
Manchmal kommt die Panik trotz guter Vorbereitung wieder. Dann hängt sie oft nicht am Fliegen selbst. Sondern an einem älteren Erlebnis: an einem Moment von Enge, Fallen oder Hilflosigkeit. Ihr Nervensystem hat damals gelernt, dass solche Situationen gefährlich sind. Im Flugzeug springt diese Reaktion heute automatisch an. Mit Willenskraft allein kommen Sie dagegen schwer an.
Genau dort setze ich im Coaching an. Wir suchen den Moment, an dem Ihre Angst hängt. Mit emTrace® bearbeiten wir die emotionale Ladung dieser Erfahrung. Damit Ihr Körper beim nächsten Start ruhiger reagieren kann. Erfahrungsgemäß reichen dafür wenige Sitzungen. Ideal ist ein Start drei bis vier Wochen vor dem Abflug. Wie das Coaching abläuft, lesen Sie auf der Seite Coaching bei Flugangst.
Wichtig: Haben Sie Panikattacken auch im Alltag, ist Coaching nicht der richtige erste Schritt. Dann gehört die Abklärung in ärztliche oder psychotherapeutische Hände. Im kostenlosen Erstgespräch sage ich Ihnen offen, ob ich der richtige Ansprechpartner bin.
„Die volle Kraft machte mir in der Vergangenheit richtig Stress und hier kam schon die Panik auf. Aber nicht dieses Mal, wie ich in dem Moment wirklich grinsend feststellen musste.“





