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Was tun bei Flugangst?

Der Flug ist gebucht. Und mit jedem Tag wird die Anspannung größer. Sie fragen sich, was Sie gegen Ihre Flugangst tun können. Hier finden Sie einen Plan für die Wochen davor, den Reisetag und die Zeit an Bord. Und eine ehrliche Antwort darauf, warum Tipps bei manchen Menschen nicht reichen.

Von Thorsten Springauf, Mental- und Emotionscoach Lesezeit 8 Minuten Stand Oktober 2026

Ein Mann sitzt im Flugzeug am Fenster, trägt Kopfhörer und hält einen Becher Wasser in beiden Händen.

Kurz gesagt

  • Fangen Sie früh an. In den Wochen vor dem Flug können Sie Ihre wichtigsten Werkzeuge in Ruhe üben.
  • Am Reisetag helfen Zeitpuffer, ein fester Ablauf und ein kurzer Satz an die Crew.
  • An Bord helfen langes Ausatmen, ein Halt für den Körper und das Wissen um normale Geräusche. Alkohol zur Beruhigung ist keine gute Idee.
  • Bleibt die Angst trotz aller Tipps stark, steckt oft ein älterer Auslöser dahinter. Dann lohnt sich Unterstützung.

Was hilft bei Flugangst in den Wochen vor dem Flug?

Die Antwort zuerst: Bereiten Sie sich gut vor. Je weniger Sie am Flugtag überrascht, desto weniger Angriffsfläche hat die Angst. Nutzen Sie die Zeit vor der Reise für diese Schritte.

  1. Finden Sie Ihren Auslöser. Schreiben Sie auf, was Ihnen am meisten Angst macht. Ist es die Enge? Der Start? Das Wackeln in Turbulenzen? Oder das Gefühl, die Kontrolle abzugeben? Je genauer Sie es wissen, desto gezielter können Sie sich vorbereiten.
  2. Üben Sie jeden Tag eine Atemtechnik. Eine einfache Form: vier Zählzeiten einatmen und sechs Zählzeiten ausatmen. Üben Sie das täglich ein paar Minuten. Was Sie zu Hause geübt haben, fühlt sich im Flugzeug vertraut an. Warum langes Ausatmen beruhigt, erklärt der Artikel Nervensystem beruhigen auf meiner Seite für Einsatzkräfte.
  3. Lernen Sie die normalen Geräusche kennen. Kurz nach dem Start rumpelt es unter Ihnen. Das ist meist das Fahrwerk, das eingefahren wird. Vor der Landung surrt es an den Tragflächen. Das sind die Landeklappen. Wer die Geräusche kennt, erschrickt seltener.
  4. Wählen Sie Ihren Platz bewusst. Macht Ihnen Enge zu schaffen, nehmen Sie einen Gangplatz. Hilft Ihnen der Blick nach draußen, nehmen Sie das Fenster. Den Sitzplatz können Sie oft schon beim Buchen oder Einchecken wählen.
  5. Spielen Sie den Flug im Kopf durch. Gehen Sie den Reisetag Schritt für Schritt durch. Stellen Sie sich auch den Moment vor, in dem die Angst kommt. Und was Sie dann tun.
  6. Klären Sie Medikamente rechtzeitig. Sie überlegen, ein Beruhigungsmittel zu nehmen? Dann sprechen Sie früh mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Probieren Sie am Reisetag nichts zum ersten Mal aus.

Noch ein Rat: Schauen Sie sich vor dem Flug keine Videos von Abstürzen oder Notlandungen an. Solche Bilder bleiben leicht hängen.

Was hilft am Reisetag?

Am Reisetag geht es um einen ruhigen Ablauf. Je weniger Sie hetzen müssen, desto ruhiger bleiben Sie.

  • Planen Sie großzügig Zeit ein. Stau oder lange Schlangen an der Sicherheitskontrolle setzen Sie sonst zusätzlich unter Druck.
  • Essen Sie etwas Leichtes. Wenn Kaffee Sie unruhig macht, lassen Sie ihn an diesem Tag weg.
  • Verzichten Sie auf Alkohol zur Beruhigung. Ein Glas Wein vor dem Start ist für viele ein Ritual. Eine Studie des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) zeigt aber ein Problem. In einer Druckkammer wurde der Luftdruck einer Flugzeugkabine nachgestellt. Alkohol und der niedrige Druck senkten dort zusammen bei schlafenden Versuchspersonen den Sauerstoff im Blut. Gleichzeitig stieg der Puls.
  • Bewegen Sie sich am Gate. Gehen Sie ein paar Runden durch das Terminal, statt still zu warten. So kann sich die Anspannung etwas entladen.
  • Sagen Sie der Crew Bescheid. Ein kurzer Satz beim Einsteigen reicht: „Ich habe Flugangst.“ Dann weiß die Crew Bescheid und kann Ihnen erklären, was gerade passiert.
  • Halten Sie Ihre drei Schritte bereit. Schreiben Sie Ihre wichtigsten Schritte auf einen Zettel oder ins Handy. Zum Beispiel: Lang ausatmen. Füße in den Boden drücken. Blick auf einen festen Punkt.

Was tun im Flugzeug?

Im Flugzeug zählt, was Ihrem Körper Halt gibt. Probieren Sie aus, was Ihnen am meisten hilft.

  1. Atmen Sie länger aus als ein. Nutzen Sie die Technik, die Sie zu Hause geübt haben. Besonders beim Start und bei Turbulenzen.
  2. Geben Sie Ihren Augen einen Fixpunkt. Schauen Sie auf einen festen Punkt vor Ihnen. Oder aus dem Fenster zum Horizont.
  3. Verankern Sie Ihren Körper. Stellen Sie beide Füße fest auf den Boden. Legen Sie die Hände offen auf die Oberschenkel, statt die Armlehne zu umklammern.
  4. Bleiben Sie angeschnallt. Die US-Luftfahrtbehörde FAA rät, den Gurt während des ganzen Flugs geschlossen zu halten. So schützen Sie sich vor Verletzungen durch unerwartete Turbulenzen.
  5. Beschäftigen Sie Kopf und Ohren. Musik, ein Hörbuch oder ein Rätsel geben dem Kopf eine Aufgabe. Ablenkung löst die Angst nicht. Für einen ruhigeren Flug kann sie aber eine gute Hilfe sein.
  6. Geben Sie Ihren Händen etwas zu tun. Halten Sie einen Becher Wasser in der Hand. Trinken Sie in kleinen Schlucken.
  7. Benennen Sie die Angst. Sagen Sie sich innerlich: „Das ist meine Angst. Sie ist unangenehm. Sie geht vorbei.“

Wenn die Angst in Panik umschlägt, lesen Sie den Artikel Panikattacke im Flugzeug. Dort steht auch, wann Sie die Crew sofort informieren sollten.

Warum Tipps allein oft nicht reichen

Die ehrliche Antwort: Tipps helfen im Moment der Angst. Den Auslöser verändern sie meist nicht. Viele Menschen erzählen mir im Erstgespräch, dass sie wirklich alles versucht haben. Und trotzdem saß die Angst beim nächsten Flug wieder mit an Bord.

Das hat Gründe:

  • Atemtechniken beruhigen den Körper, während die Angst da ist. Sie verändern aber nicht, warum sie kommt.
  • Ablenkung schiebt die Angst auf. Wer sich wochenlang ablenkt, steht am Gate oft vor derselben Angst.
  • Wissen über Technik und Statistik beruhigt den Kopf. Der Körper reagiert trotzdem auf das Absacken oder die Enge. Warum das so ist, lesen Sie im Artikel Wie sicher ist Fliegen?

Oft hängt Flugangst an einem Erlebnis, das mit dem Fliegen wenig zu tun hat. Ein Sturz oder ein Moment von Enge. Ein Gefühl völliger Hilflosigkeit. Das Nervensystem hat damals gelernt: Das ist gefährlich. Im Flugzeug erkennt es Ähnliches wieder und schlägt Alarm. Das ist kein Mangel an Willen. Es ist eine gelernte Reaktion.

Wann sich Hilfe lohnt

Hilfe lohnt sich, wenn die Angst Ihr Leben einschränkt. Zum Beispiel in diesen Fällen:

  • Die Angst beginnt Wochen vor dem Flug und raubt Ihnen den Schlaf.
  • Sie sagen Reisen ab oder buchen gar nicht erst.
  • Sie schaffen einen Flug nur mit Alkohol oder Tabletten.
  • Die Angst wird von Flug zu Flug größer.

Es gibt verschiedene Wege. Flugangst-Seminare vermitteln Wissen und üben das Fliegen in der Gruppe. Bei Lufthansa Aviation Training zum Beispiel erklären Pilotinnen, Piloten oder Kabinenpersonal die Technik. Eine Psychologin oder ein Psychotherapeut begleitet die Gruppe. Zum Abschluss gibt es einen gemeinsamen Linienflug.

Bei einer ausgeprägten Flugphobie ist eine Psychotherapie der richtige Weg. Die S3-Leitlinie zur Behandlung von Angststörungen empfiehlt bei spezifischen Phobien eine Expositionstherapie. Bei Flugangst kann das laut Leitlinie auch mit virtueller Realität geschehen, wenn ein echter Übungsflug nicht möglich ist.

Coaching ist ein dritter Weg. Es passt für Menschen ohne Diagnose, bei denen Wissen und Tipps nicht gereicht haben. Genau dort setze ich an. Wir suchen den Moment, an dem Ihre Angst hängt. Mit emTrace® und MeSource bearbeiten wir die emotionale Ladung dieser Erfahrung. Damit Sie Ihre nächste Reise ruhiger antreten können. Erfahrungsgemäß reichen dafür wenige Sitzungen. Ideal ist ein Start drei bis vier Wochen vor dem Abflug. Wie das Coaching abläuft, lesen Sie auf der Seite Coaching bei Flugangst.

„Ich konnte richtig entspannen und sogar ein wenig schlafen.“

Sonja · Flugangst

Häufige Fragen

Was hilft sofort bei Flugangst?

Für den Moment hilft vielen Menschen langes Ausatmen. Atmen Sie bis vier ein und bis sechs aus. Geben Sie dazu Ihren Augen einen festen Punkt und drücken Sie die Füße in den Boden. Das lindert die Spitze der Angst, auch wenn es den Auslöser nicht verändert.

Welche Tabletten oder Tropfen helfen gegen Flugangst?

Das klären Sie bitte mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Laut S3-Leitlinie reicht die Studienlage bei spezifischen Phobien nicht aus, um eine Wirksamkeit von Medikamenten nachzuweisen. Besprechen Sie trotzdem offen, ob ein Mittel für Ihren Flug in Frage kommt. Fragen Sie dort auch nach der Einnahme am Reisetag und nach Wechselwirkungen mit Alkohol.

Wie überstehe ich einen 12-Stunden-Flug mit Flugangst?

Teilen Sie den Flug in Abschnitte ein. Zum Beispiel erst Start und Essen. Danach ein Film und etwas Ruhe. Stehen Sie zwischendurch auf und gehen Sie im Gang umher. Das empfiehlt auch das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen gegen Thrombosen auf langen Flügen. Trinken Sie außerdem genug.

Ich fliege zum ersten Mal und habe Angst. Was kann ich tun?

Machen Sie sich vorher mit dem Ablauf vertraut: von der Gepäckabgabe bis zum Aussteigen. So erleben Sie weniger Überraschungen. Sagen Sie der Crew beim Einsteigen, dass es Ihr erster Flug ist. Und planen Sie genug Zeit ein, damit Sie nicht hetzen müssen.

Hilft Alkohol gegen Flugangst?

Als Hilfe gegen Flugangst ist Alkohol keine gute Wahl. Eine Studie des DLR mit nachgestelltem Kabinendruck zeigt: Alkohol und der niedrige Druck senkten zusammen im Schlaf den Sauerstoff im Blut. Gleichzeitig stieg der Puls. Besser sind Wasser und eine Technik, die Sie vorher geübt haben.

Wann sollte ich mit der Vorbereitung anfangen?

Am besten drei bis vier Wochen vor dem Flug. Dann bleibt Zeit, eine Atemtechnik zu üben und den Reisetag zu planen. Das gilt auch für ein Coaching. Steht der Flug früher an, lohnt sich ein Gespräch trotzdem.

Thorsten Springauf in seiner Praxis in Nettetal

Über den Autor

Thorsten Springauf ist Mental- und Emotionscoach mit eigener Praxis in Nettetal-Kaldenkirchen. Seit 2012 hat er über 1.200 Coachings begleitet, vor Ort und online. Er arbeitet mit emTrace® und MeSource auf Grundlage aktueller Emotions- und Hirnforschung.

  • emTrace®-Mastercoach
  • MeSource-Facilitator
  • Mimikresonanz®-Trainer und Profiler
  • NLP Master und Practitioner
Weitere Qualifikationen anzeigen
  • Ausbildung zum wingwave-Coach
  • Coach für Imaginative Systemstruktur-Aufstellung
  • Ziel- und Ressourcen-Coach
  • Ressourcen- und Modeling-Coach
  • Time-Line- und Stress-Imprinting-Coach
  • CORE-Transformation-Coach
  • Burnout-Prophylaxe-Coach
  • Coach für systemische Rollenklärung
  • Fitnesstrainer B-Lizenz (BSA-Akademie)
  • Trainer für Sportrehabilitation (BSA-Akademie)
  • Star 2 Spinning-Instructor
  • Polar Own-Zone-Guide

Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Beratung. Coaching ist keine Therapie. Wenn Ihre Angst auch im Alltag stark ist oder Sie Panikattacken haben, sprechen Sie bitte mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Fragen zu Medikamenten klären Sie bitte ebenfalls dort.

Quellen
  1. Trammer, R. A., Rooney, D., Benderoth, S., Wittkowski, M., Wenzel, J. und Elmenhorst, E.-M. (2024): Effects of moderate alcohol consumption and hypobaric hypoxia: implications for passengers' sleep, oxygen saturation and heart rate on long-haul flights. Thorax 79 (10), S. 970–978. https://doi.org/10.1136/thorax-2023-220998
  2. Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR): Study shows: Drinking alcohol on long-haul flights could affect the health of sleeping passengers. Meldung 2024. https://www.dlr.de/en/me/latest/news/2024/study-shows-drinking-alcohol-on-long-haul-flights-could-affect-the-health-of-sleeping-passengers
  3. Federal Aviation Administration (FAA): Turbulence: Staying Safe. https://www.faa.gov/travelers/fly_safe/turbulence
  4. Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) u. a.: S3-Leitlinie Behandlung von Angststörungen, Version 2, Kurzfassung, Abschnitt 1.7.4 Spezifische Phobien. AWMF-Register-Nr. 051-028, Stand April 2021 (derzeit in Überarbeitung). https://register.awmf.org/leitlinien/detail/051-028
  5. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG): Ist eine Thrombose-Vorbeugung auf Flugreisen nötig? gesundheitsinformation.de, aktualisiert am 27.05.2026. https://www.gesundheitsinformation.de/ist-eine-thrombose-vorbeugung-auf-flugreisen-noetig.html
  6. Lufthansa Aviation Training: Flugangst-Wochenendseminar. Abgerufen am 20.10.2026. https://flugangst.lufthansa-aviation-training.com/flugangst-wochenendseminar

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