Kurz gesagt
- Eine Lernblockade ist keine Faulheit. Meist stecken Druck, Angst oder Überforderung dahinter.
- Angst und Sorgen binden einen Teil Ihrer Aufmerksamkeit. Für den Stoff bleibt dann weniger übrig.
- Gut helfen kleine Lernschritte, Abfragen statt Wiederlesen und genug Schlaf. Selbstvorwürfe machen es eher schlimmer.
- Wenn die Blockade an alten Erfahrungen hängt, reichen Lerntipps allein oft nicht.
Was ist eine Lernblockade?
Von einer Lernblockade spricht man, wenn das Lernen trotz guten Willens nicht gelingt. Eine medizinische Diagnose ist das nicht. Gemeint ist ein Zustand, den viele Prüflinge kennen. Sie wollen lernen. Sie haben sich Zeit genommen. Aber der Kopf macht zu.
Das betrifft Azubis vor der Abschlussprüfung ebenso wie Studierende vor der Klausur. Und Berufstätige, die nach Feierabend für eine Weiterbildung lernen.
Typische Anzeichen einer Lernblockade
- Sie lesen eine Seite und wissen danach nicht, was darauf stand.
- Ihre Gedanken wandern ständig zur Prüfung, zu Sorgen oder zum Handy.
- Sie schieben das Lernen auf und erledigen lieber alles andere.
- Schon der Blick auf die Unterlagen macht Sie müde oder gereizt.
- Am Schreibtisch spüren Sie Unruhe, Herzklopfen oder Druck im Bauch.
Eine Lernblockade ist etwas anderes als ein Blackout. Bei der Lernblockade kommt der Stoff gar nicht erst richtig im Kopf an. Beim Blackout ist das Wissen gespeichert. Sie kommen nur in der Prüfung für einen Moment nicht heran. Was dabei passiert, lesen Sie im Artikel Blackout in der Prüfung.
Warum der Kopf beim Lernen zumacht
Eine Lernblockade hat selten nur einen Grund. Meist kommen mehrere Dinge zusammen.
Angst und Sorgen binden Ihre Aufmerksamkeit
Zum Lernen brauchen Sie Ihr Arbeitsgedächtnis. Es hält neue Informationen kurz fest und verknüpft sie mit dem, was Sie schon wissen. Genau dort mischt die Angst mit. Der Psychologe Michael Eysenck und Kollegen haben das 2007 in einer viel zitierten Theorie beschrieben. Angst lenkt die Aufmerksamkeit auf mögliche Gefahren. Für die eigentliche Aufgabe bleibt weniger Steuerung übrig. Manchmal gleichen Ängstliche das aus. Sie brauchen dafür aber deutlich mehr Anstrengung.
So fühlt sich eine Lernblockade oft an. Sie strengen sich an und kommen trotzdem kaum voran. Ein Teil Ihres Kopfes lernt. Der andere Teil wartet auf die Katastrophe.
Aufschieben als Schutz vor schlechten Gefühlen
Wer blockiert ist, schiebt das Lernen oft auf. Mit Faulheit hat das wenig zu tun. Die Psychologen Fuschia Sirois und Timothy Pychyl beschreiben Aufschieben als Versuch, die eigene Stimmung kurzfristig zu reparieren. Der Blick in die Unterlagen fühlt sich unangenehm an. Also räumen Sie lieber die Küche auf. Für einen Moment geht es Ihnen besser. Den Preis zahlt Ihr späteres Ich. Der Berg wird größer und das schlechte Gefühl auch.
Hohe Ansprüche an sich selbst
Manche Menschen wollen jedes Detail verstanden haben, bevor sie weitergehen. Jede Lücke fühlt sich an wie ein Beweis für Versagen. Das kostet viel Zeit und noch mehr Kraft. Dahinter kann ein innerer Leitsatz wie „Sei perfekt“ stecken. Mehr dazu lesen Sie im Artikel Innere Antreiber.
Müdigkeit und Schlafmangel
Wer nicht ausgeschlafen ist, prägt sich Neues schlechter ein. Das zeigt eine Studie aus Harvard von 2007. Junge Erwachsene blieben dort eine Nacht lang wach. Am nächsten Abend sahen sie sich eine Reihe von Bildern an. Zwei Tage später erkannten sie deutlich weniger davon wieder als Teilnehmer mit normalem Schlaf. Ihre Gedächtnisleistung lag rund 19 Prozent niedriger. Auch zwei Nächte Erholungsschlaf glichen das nicht aus.
Lernhemmungen im Gedächtnis
Manchmal liegt die Blockade auch am Lernplan. Lernen Sie zwei ähnliche Stoffe direkt nacheinander, können sie sich gegenseitig stören. Fachleute sprechen von Gedächtnishemmungen. Stört der neue Stoff den alten, heißt das retroaktive Hemmung. Stört der alte Stoff den neuen, heißt das proaktive Hemmung. Auch starke Gefühle zwischen Lernen und Abrufen können die Erinnerung beeinträchtigen. Das nennt man affektive Hemmung.
Lernblockade lösen: Was am Schreibtisch hilft
Sie müssen die Blockade nicht mit Gewalt durchbrechen. Oft reicht es, die Hürde kleiner zu machen.
- Fangen Sie klein an. Nehmen Sie sich nur eine Seite vor. Oder zehn Minuten. Ein kleiner Anfang fühlt sich weniger bedrohlich an als der ganze Berg.
- Parken Sie Ihre Sorgen auf Papier. Legen Sie einen Zettel neben sich. Schreiben Sie jeden störenden Gedanken kurz auf. Dann muss Ihr Kopf ihn nicht festhalten. Wenn die Gedanken auch abends weiterkreisen, hilft Ihnen der Artikel Gedankenkarussell stoppen.
- Fragen Sie sich ab, statt nur zu lesen. Eine große Übersichtsarbeit von 2013 hat zehn beliebte Lerntechniken verglichen. Am besten schnitten zwei ab: sich selbst abfragen und das Lernen über die Zeit verteilen. Wiederlesen und Markieren brachten dagegen wenig. Nutzen Sie Karteikarten oder alte Prüfungsfragen. Oder erklären Sie den Stoff laut einer anderen Person.
- Verteilen Sie das Lernen. Lernen Sie lieber jeden Tag eine Stunde als einmal in der Woche einen ganzen Tag. Holen Sie den Stoff nach ein paar Tagen noch einmal hervor.
- Wechseln Sie zwischen unterschiedlichen Fächern. Legen Sie zwischen zwei ähnliche Themen eine Pause. Oder lernen Sie dazwischen etwas ganz anderes.
- Machen Sie echte Pausen. Stehen Sie auf und bewegen Sie sich. Gehen Sie kurz an die frische Luft. Das Handy darf in dieser Zeit ruhig im anderen Zimmer bleiben.
- Schützen Sie Ihren Schlaf. Lernen Sie nicht bis tief in die Nacht. Ausgeschlafen prägen Sie sich Neues besser ein.
Warum Selbstvorwürfe die Blockade verstärken
Wer nicht vorankommt, wird schnell hart zu sich selbst. „Ich bin einfach zu blöd.“ „Andere schaffen das doch auch.“ Solche Sätze fühlen sich wie Ansporn an. Sie machen das schlechte Gefühl beim Lernen aber noch größer.
Eine Studie mit Studierenden in Kanada fand einen interessanten Zusammenhang. Es ging um das Aufschieben vor zwei Zwischenprüfungen. Je mehr sich jemand das Aufschieben vor der ersten Prüfung verziehen hatte, desto weniger schob er vor der zweiten auf. Der Grund war offenbar: weniger schlechte Gefühle.
Reden Sie mit sich, wie Sie mit einer guten Freundin reden würden. Ein Rückstand ist ärgerlich. Aber er ist kein Urteil über Ihren Wert. Der nächste kleine Schritt zählt mehr als die verlorene Woche.
Wann mehr dahintersteckt
Nicht jede Konzentrationsschwäche ist eine Lernblockade. Konzentrationsprobleme können viele Ursachen haben. Dazu gehören Schlafstörungen und Probleme beim Sehen oder Hören. Auch eine ADHS kann dahinterstecken. Sie beginnt in der Kindheit und zeigt sich nicht nur vor Prüfungen.
Konzentrationsprobleme können auch ein Zeichen einer Depression sein. Hellhörig sollten Sie werden, wenn Sie sich seit mindestens zwei Wochen niedergeschlagen fühlen. Oder wenn Sie kaum noch Freude empfinden und schnell erschöpft sind. Dann sprechen Sie bitte mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Wenn Gefühle hinter der Lernblockade stecken
Manchmal sitzt die Blockade tiefer. Sie haben alle Tipps ausprobiert. Trotzdem macht der Kopf zu, sobald es um diese eine Prüfung geht.
Hinter einer hartnäckigen Lernblockade steckt häufig eine ältere Erfahrung. Eine Prüfung, die schiefging. Ein Lehrer, der Sie vor der Klasse bloßgestellt hat. Ein Satz wie „Aus dir wird nichts“. Ihr Nervensystem verbindet Lernen und Prüfen seitdem mit Gefahr. Viele sehen selbst keinen Zusammenhang, weil die Erinnerung harmlos wirkt. Diese Verbindung ist gelernt. Und was gelernt ist, kann sich auch wieder verändern.
Genau dort setze ich im Coaching an. Zuerst suchen wir die Erlebnisse, an denen Ihre Blockade hängt. Mit emTrace® und MeSource bearbeiten wir dann deren emotionale Ladung. Sie müssen dafür nichts wiedererleben, was Sie nicht möchten. Erfahrungsgemäß reichen dafür wenige Sitzungen. Ideal ist ein Start drei bis vier Wochen vor der Prüfung. Online per Video ist das auch mitten in der Lernphase gut möglich. Mehr dazu lesen Sie auf der Seite Coaching bei Prüfungsangst.
„Da war ich aber Platt, denn eine solche erlebte Erfahrung (aus meiner Jugend) als Auslöser für meine Prüfungsangst hätte ich nie im Zusammenhang gesehen.“





