Kurz gesagt
- Bei einem Blackout ist Ihr Wissen nicht verloren. Starker Stress blockiert für den Moment den Zugriff darauf.
- Im Ernstfall hilft es, kurz auszusteigen und lang auszuatmen. Danach fangen Sie mit dem Einfachsten an.
- Vorbeugen können Sie mit Abfragen statt reinem Lesen. Dazu kommen eine Probeprüfung und ein fester Notfallplan.
- Wenn sich Blackouts wiederholen, steckt oft eine alte Erfahrung dahinter. Dann reichen Tipps allein meist nicht.
Was ist ein Blackout in der Prüfung?
Ein Blackout ist eine kurze Denkblockade unter starkem Stress. Sie kennen die Antwort eigentlich. Aber Sie kommen gerade nicht an sie heran. Der Kopf fühlt sich leer an oder wie in Watte gepackt. Manche lesen eine Frage dreimal, ohne sie zu verstehen.
Mit einer Ohnmacht hat dieser Blackout nichts zu tun. Gemeint ist eine Blockade beim Erinnern und Denken. Typisch ist der Moment danach: Kaum sind Sie aus dem Raum, fällt Ihnen alles wieder ein.
Ein Blackout kann in jeder Prüfung passieren. In der Klausur ebenso wie in der mündlichen Prüfung oder bei der Fahrprüfung. Dort fehlt dann plötzlich der Schulterblick, der in den Fahrstunden immer saß. Wie Sie sich darauf vorbereiten, lesen Sie im Artikel Angst vor der Fahrprüfung.
Was bei einem Blackout im Gehirn passiert
Unter starkem Stress schaltet das Gehirn auf Gefahr. Dann arbeitet ausgerechnet der Bereich schlechter, den Sie zum Nachdenken brauchen.
Dieser Bereich liegt hinter der Stirn und heißt präfrontaler Kortex. Er hält Informationen im Arbeitsgedächtnis und lenkt die Aufmerksamkeit. Die Neurowissenschaftlerin Amy Arnsten von der Yale University hat zusammengefasst, wie empfindlich er auf Stress reagiert. Schon milder Stress kann seine Leistung schnell und deutlich einschränken. Das gilt vor allem für Stress, den wir als unkontrollierbar erleben.
Die Steuerung übernehmen dann ältere Hirnbereiche. Sie sind auf schnelle Reaktionen ausgelegt, nicht auf Nachdenken. Ihr Körper macht sich bereit für Kampf oder Flucht. In der Prüfung zeigt sich das oft als Erstarren. Mehr dazu lesen Sie im Artikel Kampf, Flucht und Erstarrung auf meiner Seite für Einsatzkräfte.
Dazu kommen Stresshormone wie Cortisol. Der Hirnforscher Dominique de Quervain hat mit Kollegen gezeigt: Stresshormone stören den Abruf von bereits Gelerntem. Zuerst wiesen die Forscher das 1998 bei Ratten nach. Zwei Jahre später folgte eine Studie mit gesunden Freiwilligen. Mit Cortison erinnerten sie sich an weniger zuvor gelernte Wörter als mit einem Scheinmedikament. Eine große Übersichtsarbeit von 2017 bestätigt das Bild. Sie fasst viele Stress-Studien zusammen. Akuter Stress verschlechtert danach den Abruf aus dem Gedächtnis.
Für Sie heißt das: Ihr Wissen ist nicht weg. Es ist nur für den Moment schwer erreichbar. Lässt der Stress nach, kommt der Zugang meist zurück. Deshalb fällt Ihnen die Antwort oft erst auf dem Heimweg ein.
Warum es trotz guter Vorbereitung passiert
Ein Blackout sagt wenig über Ihren Fleiß. Er zeigt, wie bedrohlich Ihr Nervensystem die Prüfung einstuft.
Viele Menschen erzählen mir dasselbe. Zu Hause konnten sie alles. In der Prüfung war es weg. Meist kommen dabei mehrere Dinge zusammen:
- Viel steht auf dem Spiel. Ein Abschluss, ein Job oder viel Geld. Je größer die Bedeutung, desto lauter der Alarm.
- Die Angst vor der Angst. Wer schon einmal einen Blackout hatte, rechnet mit dem nächsten. Diese Erwartung setzt Sie schon vor der ersten Frage unter Strom.
- Eine alte Erfahrung. Eine Bloßstellung an der Tafel. Eine Prüfung, die schiefging. Ein Satz wie „Das schaffst du nie“. Ihr Gehirn hat damals gelernt: Prüfung bedeutet Gefahr.
Ein Punkt aus der Forschung macht Mut. Arnsten beschreibt in ihrer Übersicht auch Studien zum Gefühl von Kontrolle. Wer sich unter Stress der Lage gewachsen fühlte, war oft nicht beeinträchtigt. Das galt sogar dann, wenn die Kontrolle nur eingebildet war. Ein klarer Plan für den Ernstfall ist deshalb mehr als ein Trick. Er gibt Ihnen ein Stück Kontrolle zurück.
Was im Moment des Blackouts hilft
Hören Sie auf, die Antwort zu erzwingen. Holen Sie zuerst Ihren Körper aus dem Alarm. Dann fangen Sie klein an.
- Legen Sie den Stift ab. Lehnen Sie sich zurück und schauen Sie einige Sekunden auf einen ruhigen Punkt im Raum. Wer die Antwort mit Gewalt sucht, erhöht nur den Druck.
- Atmen Sie lang aus. Atmen Sie ruhig ein und deutlich länger wieder aus. Wiederholen Sie das ein paar Mal. Niemand im Raum bemerkt es.
- Spüren Sie Ihren Körper. Drücken Sie beide Füße fest in den Boden. Spüren Sie den Stuhl unter sich. So kommen Sie aus dem Kopf zurück in den Raum.
- Wechseln Sie die Aufgabe. Gehen Sie zu einer Frage, die Sie sicher beantworten können. Ein kleiner Erfolg beruhigt. Die schwierige Frage holen Sie später nach.
- Schreiben Sie Stichworte. Notieren Sie alles, was Ihnen zum Thema einfällt. Auch Bruchstücke helfen. Ein Begriff zieht oft den nächsten nach sich.
- Reden Sie freundlich mit sich. Sagen Sie innerlich: „Das ist der Stress. Das Wissen ist da. Ich nehme mir einen Moment.“
In der mündlichen Prüfung gilt dasselbe. Nur dürfen Sie hier etwas sagen. Ein Satz wie „Ich brauche einen kurzen Moment“ nimmt viel Druck heraus. Bitten Sie ruhig darum, die Frage noch einmal zu hören. Was Ihnen dort sonst noch hilft, lesen Sie im Artikel Angst vor der mündlichen Prüfung.
Wie Sie einem Blackout vorbeugen
Üben Sie vor allem das Abrufen, nicht nur das Lesen. Und üben Sie die Prüfungssituation selbst.
- Lernen Sie mit Abfragen. Testen Sie sich mit Karteikarten oder alten Prüfungsfragen. In einer bekannten Studie von Roediger und Karpicke (2006) behielten Studierende einen Text länger im Gedächtnis, wenn sie ihn abriefen statt ihn erneut zu lesen. Eine spätere Studie fand Hinweise, dass Abfragen das Wissen auch gegen Stress schützt (Smith und Kollegen 2016). Ganz gesichert ist dieser zweite Befund noch nicht.
- Üben Sie die Prüfungssituation. Schreiben Sie eine Probeklausur mit echter Zeitvorgabe. Für mündliche Prüfungen hilft eine Probeprüfung mit Freunden.
- Legen Sie sich einen Notfallplan zurecht. Schreiben Sie die Schritte von oben auf eine kleine Karte. Lesen Sie sie vor der Prüfung noch einmal. Dann wissen Sie im Ernstfall, was zu tun ist.
- Planen Sie die letzten Tage. Gönnen Sie sich genug Schlaf und echte Pausen. Lernen Sie am Prüfungsmorgen nichts Neues mehr. Gehen Sie lieber kurz durch, was Sie sicher können.
Stockt schon das Lernen selbst, lesen Sie den Artikel Lernblockade lösen.
Wann Atemübungen reichen und wann nicht
Bei normaler Aufregung helfen Atemübungen gut. Bei starker Prüfungsangst stoßen sie oft an Grenzen.
Wenn Sie nur etwas nervös sind, holt langes Ausatmen Sie meist gut zurück. Ist der Alarm aber schon voll ausgelöst, kommt Atmen allein schwer dagegen an. Viele Menschen erzählen mir genau das. Sie kennen alle Techniken. In der Prüfung greifen sie trotzdem nicht.
Das ist kein Versagen. Eine Atemübung beruhigt den Körper im Moment. Den Auslöser des Alarms erreicht sie aber kaum. Dann lohnt sich die Frage, woher der Alarm eigentlich kommt.
Wenn sich Blackouts wiederholen
Wiederholte Blackouts zeigen: Ihr Nervensystem verbindet Prüfungen mit Gefahr. Diese Verbindung ist gelernt. Und was gelernt ist, kann sich auch wieder verändern.
Hinter wiederholten Blackouts steckt oft eine ältere Erfahrung. Viele sehen selbst keinen Zusammenhang. Die Erinnerung liegt Jahre zurück und wirkt harmlos. Die Reaktion darauf läuft trotzdem automatisch ab. Mit Willenskraft allein kommen Sie dagegen schwer an.
Genau dort setze ich im Coaching an. Zuerst suchen wir die Erlebnisse, an denen Ihr Alarm hängt. Mit emTrace® bearbeiten wir dann deren emotionale Ladung. Damit Sie in der Prüfung wieder an Ihr Wissen herankommen. Erfahrungsgemäß reichen dafür wenige Sitzungen. Ideal ist ein Start drei bis vier Wochen vor der Prüfung. Wie das Coaching abläuft, lesen Sie auf der Seite Coaching bei Prüfungsangst.
„Ich habe mich sehr darüber gefreut, dass ich endlich mein Wissen ohne Angst und Panik aufschreiben konnte.“





