Kurz gesagt
- Reiseangst reicht von leichtem Unbehagen bis dahin, gar nicht mehr verreisen zu können. Laut AOK zählt sie zu den spezifischen Phobien.
- Ein wenig Reisefieber ist normal. Reiseangst geht weiter: Sie belastet Sie und schränkt Sie ein.
- Hinter Reiseangst stecken oft ganz verschiedene Sorgen: vor dem Fremden, vor Kontrollverlust oder vor dem Flug.
- Gute Planung und geübte Entspannung helfen. Kommt die Angst mit Panik oder auch im Alltag, gehört sie in ärztliche oder psychotherapeutische Hände.
Was ist Reiseangst?
Reiseangst ist eine starke Angst, die mit dem Reisen zusammenhängt. Sie kann schon beim Gedanken an eine Reise beginnen. Laut AOK reicht dafür manchmal die Vorstellung, mit dem Zug in eine nahe Stadt zu fahren. Betroffene prüfen dann zum Beispiel immer wieder Fahrkarte und Gepäck. Das Spektrum reicht von Unbehagen bis zur Unmöglichkeit, überhaupt zu verreisen.
Manchmal liest man dafür auch den Fachbegriff Hodophobie. Er kommt vom griechischen Wort hodos für Weg. Die AOK zählt Reiseangst zu den spezifischen Phobien. Das sind Ängste vor bestimmten Situationen, Ereignissen oder Reizen. Ihre Anzeichen ähneln denen einer Angststörung.
Reisefieber oder Reiseangst?
Aufregung vor einer Reise ist normal. Der Duden nennt sie Reisefieber: „Aufgeregtheit, innere Unruhe vor Beginn einer Reise“. Sie gehört zum Aufbruch dazu.
Reiseangst geht weiter. Die AOK nennt einige Fragen, die bei der Einordnung helfen. Sinngemäß lauten sie so:
- Steigt beim Gedanken an die Reise Angst oder sogar Panik in Ihnen auf?
- Zittern Ihre Hände, atmen Sie schnell oder ist Ihnen schwindelig?
- Fällt es Ihnen schwer, sich zu konzentrieren?
- Kreisen Ihre Gedanken so sehr um die Reise, dass Ihr Alltag darunter leidet?
- Sind Sie seit einiger Zeit schnell gereizt?
Treten solche Anzeichen immer wieder auf und hängen direkt mit der Reise zusammen? Dann kann es sich laut AOK um Reiseangst handeln.
Welche Formen von Reiseangst gibt es?
Hinter dem Wort Reiseangst stecken oft ganz unterschiedliche Sorgen. Vier Formen lassen sich unterscheiden:
- Angst vor dem Fremden. Sie verlassen die gewohnte Umgebung. Sprache, Essen und Abläufe sind unbekannt. Für manche Menschen fühlt sich das bedrohlich an. Die AOK rät deshalb, die Reise gut vorzubereiten. Das lindert die Angst vor dem Unbekannten.
- Angst vor Kontrollverlust. Ein Zug fällt aus. Der Anschluss ist weg. Ein Plan geht nicht auf. Wer viel Kontrolle braucht, gerät auf Reisen leicht unter Druck.
- Angst vor dem Flug. Für viele ist das Fliegen der eigentliche Kern. Die Angst kann dann schon Wochen vor dem Abflug beginnen. Was dagegen hilft, lesen Sie im Artikel Was tun bei Flugangst?
- Angst vor der Angst. Manche fürchten vor allem, unterwegs Panik zu bekommen. Weit weg von zu Hause und ohne schnellen Ausweg. Diese Erwartungsangst kann sich selbst verstärken.
Oft mischen sich mehrere dieser Formen. Es lohnt sich deshalb, genau hinzuschauen: Wovor genau habe ich Angst?
Wie sich Reiseangst zeigt
Reiseangst zeigt sich im Körper und im Verhalten. Typisch sind laut AOK:
- Kurzatmigkeit oder schnelles Atmen
- Herzklopfen oder Herzrasen
- Schweißausbrüche und Zittern
- Übelkeit oder Probleme mit Magen und Darm
- ein trockener Mund
Dazu kommt oft ein Verhalten, das die Angst kurz lindert. Sie verschieben Reisen. Sie sagen ab oder buchen gar nicht erst. Laut dem Gesundheitsportal des Bundes bringt das kurzfristig Erleichterung. Langfristig kann Vermeiden die Angst aber verstärken. Und das Leben wird immer enger.
Woher kommt die Angst vor dem Urlaub?
Angst ist eigentlich ein Schutzsystem. Sie bereitet den Körper auf Kampf oder Flucht vor. Bei Reiseangst reagiert dieses System laut AOK überempfindlich. Das Gehirn schätzt die tatsächliche Gefahr falsch ein.
Manchmal lässt sich die Angst auf ein bestimmtes Erlebnis zurückführen, etwa einen Unfall. Oft kommen aber mehrere Dinge zusammen. Die AOK nennt genetische und neurobiologische Faktoren zusammen mit negativen Lernerfahrungen.
Auch Stress spielt eine Rolle. Das Gesundheitsportal des Bundes beschreibt eine persönliche Angstschwelle. Erst wenn sie erreicht ist, beginnt die körperliche Angstreaktion. Ist die Anspannung im Alltag schon hoch, reichen dafür kleine Belastungen. Vor dem Urlaub kommt oft viel zusammen. Im Job muss noch alles fertig werden. Dazu kommen Packen und Organisation. Steht Ihr Nervensystem schon lange unter Druck, lesen Sie mehr auf der Seite Stress und Burnout-Prävention.
Reiseangst oder Angststörung?
Reiseangst allein ist keine Diagnose. Sie kann aber Teil einer Angststörung sein. Angststörungen sind weit verbreitet. Laut AOK erkrankt etwa jeder vierte Mensch einmal im Leben daran.
Ein Beispiel ist die Agoraphobie. Betroffene haben laut Gesundheitsportal des Bundes unter anderem starke Angst vor weiten Reisen. Oder vor Fahrten mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Oft reicht schon der Gedanke an solche Situationen. Manche fürchten vor allem, erneut Angst zu bekommen.
Das Gesundheitsportal nennt Zeichen, bei denen Sie sich professionelle Hilfe suchen sollten. Dazu gehören:
- Sie denken mehr als den halben Tag über Ihre Ängste nach.
- Die Ängste schränken Ihre Lebensqualität und Bewegungsfreiheit stark ein.
- Sie fühlen sich wegen der Ängste immer niedergeschlagener.
- Sie bekämpfen die Ängste oft mit Alkohol oder Beruhigungsmitteln.
- Ihre Partnerschaft oder Ihre Arbeit ist wegen der Ängste in Gefahr.
Die AOK rät außerdem zu einer Verhaltenstherapie, wenn Sie Panikattacken bekommen. Das gilt auch, wenn Sie eine Reise gar nicht mehr antreten können. Ein guter erster Schritt ist Ihre Hausarztpraxis. Psychotherapeutische Praxen finden Sie auch über die Rufnummer 116 117.
Was hilft gegen Reiseangst?
Sie können selbst einiges tun. Diese Schritte empfehlen die AOK und das Gesundheitsportal des Bundes:
- Üben Sie Entspannung vor der Reise. Die AOK nennt die progressive Muskelentspannung nach Jacobson. Auch Yoga, Atemübungen und Meditation können helfen. Üben Sie rechtzeitig vor der Reise. Dann können Sie die Technik im Ernstfall direkt nutzen.
- Planen Sie die Reise gut. Informieren Sie sich über Ihr Ziel. Buchen Sie Fahrt, Unterkunft und erste Ausflüge vorab. Das stärkt laut AOK das Gefühl von Kontrolle und Sicherheit.
- Planen Sie Pausen ein. Genug Puffer senkt den Druck. Und er schützt vor Überforderung.
- Denken Sie in Schritten statt in Katastrophen. Fällt ein Zug aus, ist der Urlaub nicht ruiniert. Fragen Sie sich: Was ist jetzt der nächste Schritt? Wann fährt der nächste Zug?
- Weichen Sie der Angst nicht ganz aus. Vermeiden bringt kurz Erleichterung. Langfristig kann es die Angst verstärken. Beginnen Sie lieber mit kleinen Schritten, etwa mit einem Tagesausflug. Bei starker Angst begleitet Sie dabei am besten eine Fachperson.
- Senken Sie Ihr Stressniveau im Alltag. Laut Gesundheitsportal senken Bewegung und genug Schlaf die allgemeine Anspannung. Auch wenig Alkohol und Koffein helfen dabei.
Wenn die Reise schon Wochen vorher Angst macht
Manchmal reichen Planung und Entspannung nicht. Die Angst beginnt schon Wochen vor der Abreise. Sie raubt den Schlaf und die Vorfreude. Oft hängt sie an einem älteren Erlebnis: an einem Moment von Enge, Kontrollverlust oder Hilflosigkeit. Ihr Nervensystem hat damals gelernt, dass solche Momente gefährlich sind. Heute springt diese Reaktion automatisch an, sobald eine Reise näher rückt.
Hängt Ihre Reiseangst am Fliegen, setze ich genau dort im Coaching an. Wir schauen gemeinsam, in welchen Situationen Ihr System auf Alarm schaltet. Und welche Erfahrungen dahinterstehen. Mit emTrace® und MeSource bearbeiten wir die emotionale Ladung dieser Erfahrungen. Damit Sie Ihren nächsten Flug ruhiger antreten können. Erfahrungsgemäß reichen dafür wenige Sitzungen. Ideal ist ein Start drei bis vier Wochen vor der Abreise. Mehr dazu lesen Sie auf der Seite Coaching bei Flugangst.
Wichtig: Haben Sie Panikattacken auch im Alltag, ist Coaching nicht der richtige erste Schritt. Dann gehört die Abklärung in ärztliche oder psychotherapeutische Hände. Im kostenlosen Erstgespräch sage ich Ihnen offen, ob ich der richtige Ansprechpartner bin.
„Der Urlaub konnte somit schon mal entspannt beginnen!“





