Kurz gesagt
- Lampenfieber ist die Aufregung vor einem Auftritt. Der Körper schaltet auf Alarm und schüttet Stresshormone aus.
- Ein gewisses Maß an Lampenfieber ist normal. Es kann sogar die Konzentration fördern.
- Ihre Nervosität sieht man Ihnen meist weniger an, als Sie denken. Schon dieses Wissen kann entlasten.
- Wird jeder Auftritt zur Qual oder meiden Sie Auftritte ganz, steckt oft mehr dahinter. Dann lohnt sich Unterstützung.
Was ist Lampenfieber?
Lampenfieber ist die nervöse Anspannung vor einem Auftritt vor Publikum. Das kann ein Referat in der Schule sein oder ein Vortrag im Studium. Ebenso eine Präsentation im Job, eine Rede auf einer Feier oder ein Vorspiel. Manche sprechen auch von Redeangst oder von der Angst vor Präsentationen.
Das Wort stammt aus der Theatersprache. Es entstand um die Mitte des 19. Jahrhunderts. Mit den „Lampen“ war die Beleuchtung an der Bühnenrampe gemeint. Also das Rampenlicht. Lampenfieber bezeichnete die Aufregung vor einem öffentlichen Auftritt auf der Bühne. So erklärt es das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache.
Lampenfieber ist weit verbreitet. Das zeigt eine große Befragung in den USA mit über 9.000 Erwachsenen. Es ging um Ängste in sozialen Situationen. Am häufigsten war die Angst vor dem Sprechen oder Auftreten vor anderen. Rund jeder Fünfte hatte sie im Leben schon einmal so stark erlebt, dass sie sehr belastete oder zu Vermeidung führte.
Was bei Lampenfieber im Körper passiert
Ihr Körper behandelt den Auftritt wie eine Herausforderung. Das Gehirn meldet einen erhöhten Energiebedarf. Stresshormone wie Adrenalin, Noradrenalin und Cortisol werden ausgeschüttet. Die Folgen spüren Sie deutlich:
- Das Herz schlägt schneller und der Blutdruck steigt.
- Sie atmen schneller.
- Magen und Darm fahren ihre Arbeit herunter. Das kann sich als flaues Gefühl im Bauch zeigen.
- Die Hände werden feucht.
- Manche zittern, werden rot oder bekommen schlecht Luft.
Diese Reaktion ist uralt und eigentlich sinnvoll. Sie macht Ihren Körper bereit, schnell zu handeln. Nur passt sie nicht gut zu einem Rednerpult. Weglaufen oder Kämpfen hilft beim Vortrag nicht weiter.
Ein wenig Lampenfieber ist trotzdem nützlich. Die Berliner Charité beschreibt es bis zu einem gewissen Grad als normal. Es sei sogar förderlich für die Konzentration. Schwierig wird es erst bei sehr starker Aufregung. Wird jeder Auftritt zur Qual, sprechen Fachleute von Auftrittsangst.
Lampenfieber oder Auftrittsangst?
Die Grenze ist fließend. Ein paar Anzeichen sprechen aber dafür, dass mehr dahintersteckt.
Anzeichen für mehr als normales Lampenfieber
- Die Angst beginnt schon Tage oder Wochen vor dem Auftritt.
- Sie schlafen davor schlecht oder können kaum essen.
- Sie sagen Vorträge ab oder melden sich krank.
- Vor Publikum sind Sie wie gelähmt und bekommen kaum ein Wort heraus.
- Die Angst zeigt sich auch in anderen Situationen, in denen Sie im Mittelpunkt stehen.
Steht die Angst vor Kritik und Blamage in vielen Lebenslagen im Vordergrund, kann auch eine soziale Phobie dahinterstecken. Das ist eine Angststörung. Typisch ist, dass Betroffene solche Situationen meiden. Eine soziale Phobie gehört in ärztliche oder psychotherapeutische Hände.
Man sieht Ihnen weniger an, als Sie denken
Viele Redner fürchten vor allem eines: dass alle ihre Nervosität sehen. Die Psychologen Kenneth Savitsky und Thomas Gilovich haben das 2003 untersucht. Studierende hielten kurze Reden aus dem Stegreif. Danach schätzten sie ein, wie nervös sie gewirkt hatten. Im Schnitt überschätzten sie das. Ihr Publikum nahm weniger Nervosität wahr, als sie selbst vermuteten. Fachleute nennen das die Illusion der Transparenz.
In einem zweiten Versuch erklärten die Forscher einer Gruppe diesen Effekt vor der Rede. Diese Redner bewerteten ihre Rede danach besser. Und auch Beobachter fanden ihre Reden besser als die der Vergleichsgruppe.
Ihr Herz rast vielleicht. Ihr Publikum sieht vor allem einen Menschen, der etwas zu sagen hat.
Lampenfieber überwinden: Was vor dem Auftritt hilft
Gute Vorbereitung nimmt dem Lampenfieber viel von seiner Wucht. Vor allem dann, wenn Sie das Sprechen üben und nicht nur den Inhalt.
- Üben Sie laut. Sprechen Sie den Vortrag mehrmals laut durch. Im Kopf klingt vieles flüssiger als im Mund.
- Lernen Sie den Anfang auswendig. Für viele sind die ersten Sätze die schwersten. Wer den Einstieg sicher kann, kommt leichter über die größte Aufregung hinweg.
- Proben Sie vor Publikum. Halten Sie den Vortrag vor Freunden, Kollegen oder der Familie. Auch eine Videoaufnahme mit dem Handy hilft. So gewöhnen Sie sich an das Gefühl, beobachtet zu werden.
- Nutzen Sie Stichwortkarten. Ein ausformulierter Text verführt zum Ablesen. Stichworte geben Halt und lassen Sie trotzdem frei sprechen.
- Schauen Sie sich den Raum vorher an. Wo stehen Sie? Wo sitzt das Publikum? Funktioniert die Technik? Jede geklärte Frage nimmt ein Stück Unsicherheit.
- Spielen Sie den Auftritt im Kopf durch. Auch den Moment, in dem Sie den Faden verlieren. Und wie Sie danach ruhig weitersprechen.
Was kurz vorher und vor Publikum hilft
- Atmen Sie lang aus. Atmen Sie ruhig ein und deutlich länger wieder aus. Langes Ausatmen beruhigt das Nervensystem. Wie das funktioniert, erklärt der Artikel Nervensystem beruhigen auf meiner Seite für Einsatzkräfte.
- Bewegen Sie sich vorher. Gehen Sie ein paar Schritte und lockern Sie Schultern und Hände. Ihr Körper hat Energie bereitgestellt. Geben Sie ihr einen Weg.
- Deuten Sie das Herzklopfen um. Die meisten Menschen halten Beruhigen für den besten Weg. Das ist aber schwer, denn die Erregung läuft automatisch ab. Die Forscherin Alison Wood Brooks hat 2014 eine Alternative getestet. Angst und Vorfreude sind beides Zustände hoher Erregung. In ihrem Versuch sagten Teilnehmer vor einer Rede einen Satz laut zu sich selbst. Die eine Gruppe sagte „I am excited“, also etwa „Ich freue mich darauf“. Die andere Gruppe sagte „Ich bin ruhig“. Die erste Gruppe spürte danach mehr Vorfreude. Ihre Angst war aber nicht kleiner. Beobachter bewerteten ihre Reden in dieser Studie besser. Eine Wiederholung der Studie fand das 2025 allerdings nicht. Einen Versuch ist der Gedanke trotzdem wert: Ihr Körper macht sich gerade bereit.
- Suchen Sie freundliche Gesichter. Schauen Sie zu Beginn zu Menschen, die Ihnen wohlgesonnen wirken. Ein ernstes Gesicht im Publikum heißt übrigens nicht unbedingt, dass jemand Sie schlecht findet. Was Gesichter verraten und was nicht, lesen Sie im Artikel Angst vor der mündlichen Prüfung.
- Machen Sie Pausen. Eine Pause von zwei Sekunden fühlt sich für Sie lang an. Für Ihr Publikum ist sie oft nur ein Moment zum Mitdenken.
- Sprechen Sie nach einem Versprecher einfach weiter. Korrigieren Sie sich kurz und machen Sie weiter. Je weniger Sie den Fehler kommentieren, desto schneller ist er vorbei.
Wenn Lampenfieber Sie ausbremst
Manche Menschen bereiten sich gründlich vor und sind trotzdem wie gelähmt. Sie schieben Präsentationen anderen zu oder sagen sie ab. Oder sie quälen sich durch jeden Vortrag. Dann ist das mehr als normales Lampenfieber.
Oft steckt eine alte Erfahrung dahinter. Ein Referat, bei dem die Klasse lachte. Ein Lehrer, der Sie vor allen bloßgestellt hat. Ein Satz wie „Du blamierst dich doch nur“. Ihr Nervensystem hat damals gelernt: Vor anderen zu stehen ist gefährlich. Diese Reaktion springt heute automatisch an. Mit guten Vorsätzen allein kommen Sie dagegen schwer an.
Genau dort setze ich im Coaching an. Zuerst suchen wir die Erlebnisse, an denen Ihre Angst hängt. Mit emTrace® und MeSource bearbeiten wir dann deren emotionale Ladung. Sie müssen dafür nichts wiedererleben, was Sie nicht möchten. Damit Sie vor anderen wieder zeigen können, was Sie zu sagen haben. Erfahrungsgemäß reichen dafür wenige Sitzungen. Wie das Coaching abläuft, lesen Sie auf der Seite Coaching bei Prüfungsangst. Hängt Ihr Lampenfieber eng mit Selbstzweifeln zusammen, passt auch das Coaching für mehr Selbstwert.





