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Angst vor Spritzen

Schon der Gedanke an die Nadel lässt Ihr Herz schneller schlagen. Die Impfung schieben Sie auf. Beim Zahnarzt fürchten Sie die Betäubung mehr als den Bohrer. Mit der Angst vor Spritzen sind Sie nicht allein. Hier lesen Sie, woher sie kommt und warum manche Menschen dabei ohnmächtig werden. Und was Ihnen beim Zahnarzt, beim Impfen und bei der Blutabnahme hilft.

Von Thorsten Springauf, Mental- und Emotionscoach Lesezeit 8 Minuten Stand Oktober 2026

Eine junge Frau sitzt mit übereinandergeschlagenen Beinen in einem hellen Wartebereich und blickt ruhig aus dem Fenster

Kurz gesagt

  • Angst vor Spritzen ist weit verbreitet. Laut einer großen Übersichtsarbeit betrifft sie 20 bis 30 Prozent der jungen Erwachsenen.
  • Ist die Angst sehr stark, sprechen Fachleute von Trypanophobie. Das ist eine spezifische Phobie.
  • Manche Menschen werden bei Spritzen ohnmächtig, weil ihr Blutdruck plötzlich abfällt. Gegen diese Neigung gibt es eine eigene Anspannungstechnik.
  • Beim Zahnarzt können Sie um eine Oberflächenbetäubung vor der Spritze bitten. Die zahnärztliche Leitlinie empfiehlt sie ausdrücklich.

Angst vor Spritzen ist weit verbreitet

Kaum jemand freut sich auf eine Spritze. Für manche Menschen ist sie aber ein echtes Hindernis. Sie schieben Impfungen auf. Sie meiden die Blutabnahme. Oder sie gehen jahrelang nicht zum Zahnarzt, weil sie die Betäubung fürchten.

Eine Übersichtsarbeit von 2019 hat 119 Studien zur Angst vor Nadeln ausgewertet. Bei Kindern ist die Angst sehr häufig. Mit dem Alter nimmt sie ab. Unter Jugendlichen betraf sie je nach Studie 20 bis 50 Prozent. Unter jungen Erwachsenen waren es 20 bis 30 Prozent. Frauen hatten häufiger Angst als Männer. 16 Prozent der erwachsenen Patienten ließen wegen ihrer Angst vor Nadeln die Grippeimpfung aus.

Ihre Angst ist also kein Zeichen von Schwäche. Sie teilen sie mit sehr vielen Menschen.

Spritzenangst oder Trypanophobie?

Ein mulmiges Gefühl vor der Spritze ist normal. Schwierig wird es, wenn die Angst Ihr Leben bestimmt. Fachleute sprechen dann von Trypanophobie. Gemeint ist eine starke Angst vor Injektionen. Auch der Begriff Spritzenphobie ist gebräuchlich. Die Trypanophobie zählt zu den spezifischen Phobien.

Eng verwandt ist die Blut-Spritzen-Verletzungs-Phobie. Dabei lösen auch Blut oder Wunden starke Angst aus. Laut der Spezialambulanz für Angststörungen der Universität zu Köln betrifft sie etwa 3 Prozent der Bevölkerung. Frauen sind häufiger betroffen als Männer.

Anzeichen einer starken Spritzenangst

  • Sie verschieben Impfungen oder Blutabnahmen immer wieder.
  • Schon Tage vorher schlafen Sie schlecht.
  • Beim Gedanken an die Nadel zittern Sie oder brechen in Schweiß aus.
  • Sie sind bei einer Spritze schon einmal ohnmächtig geworden.
  • Sie meiden den Zahnarzt vor allem wegen der Betäubung.

Diese Liste ersetzt keine Diagnose. Wenn Sie sich in mehreren Punkten wiederfinden, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Woher die Angst vor Spritzen kommt

Die Angst vor Spritzen hat oft mehrere Wurzeln. Die Kölner Angstambulanz nennt eine deutliche erbliche Komponente. Manche Menschen neigen von Geburt an eher zur Ohnmacht beim Anblick von Blut. Dazu kommen Erfahrungen. Laut Angstambulanz hatten etwa 45 Prozent der Patienten besonders schmerzhafte Erlebnisse beim Arzt.

Oft beginnt es in der Kindheit. Vielleicht wurden Sie bei einer Impfung festgehalten. Vielleicht klappte eine Blutabnahme erst beim dritten Versuch. Solche Momente kann das Gedächtnis als Gefahr abspeichern.

Daraus kann ein Kreislauf entstehen. Wer Spritzen meidet, macht keine neuen und besseren Erfahrungen. Die Angstambulanz beschreibt genau das. Nach einer ersten Ohnmacht meiden viele Betroffene weitere Arztbesuche. Mit der Zeit wird die Angst dadurch größer.

Wenn Ihnen bei Spritzen schwarz vor Augen wird

Die Angst vor Blut und Spritzen hat eine Besonderheit. Fachleute beschreiben eine Reaktion, die es bei anderen Ängsten so nicht gibt. Herzschlag und Blutdruck steigen zuerst an. Dann fallen sie plötzlich stark ab. Schwindel oder eine kurze Ohnmacht können folgen. Fachleute sprechen von einer vasovagalen Synkope.

Laut Kölner Angstambulanz neigen 5 bis 15 Prozent der Bevölkerung bei Blut, Verletzungen oder Spritzen zur Ohnmacht. Diese Reaktion ist laut einem Merkblatt der Universität zu Köln meist nicht gefährlich. Lassen Sie sie trotzdem ärztlich abklären. Eine Ohnmacht kann auch andere Ursachen haben.

Sagen Sie vor jeder Spritze, dass Sie zur Ohnmacht neigen. Das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit rät Erwachsenen beim Impfen grundsätzlich zum aufrechten Sitzen. Wer aber schon einmal bei einer Impfung oder Blutabnahme ohnmächtig wurde, sollte sich hinlegen.

Die Anspannungstechnik nach Öst

Für Menschen mit Ohnmachtsneigung gibt es eine eigene Technik. Sie heißt Applied Tension, auf Deutsch angewandte Anspannung. Entwickelt hat sie der schwedische Psychologe Lars-Göran Öst in den 1980er-Jahren.

Das Prinzip ist einfach. Sie spannen die Muskeln von Armen und Beinen rhythmisch an. Dadurch werden die Blutgefäße in den Muskeln zusammengedrückt. Der Blutdruck bleibt stabil. Ein leichtes Wärmegefühl im Gesicht zeigt, dass Sie die Übung richtig machen. So beschreibt es das Kölner Merkblatt. Bei einer Blutabnahme spannen Sie nur den anderen Arm an. Und Sie machen nach dem Stich noch einige Minuten weiter. Atmen Sie dabei ruhig weiter.

Die Kölner Angstambulanz empfiehlt die Methode bei einer Blut-Spritzen-Verletzungs-Phobie mit Ohnmachtsneigung. Eine Übersichtsarbeit von 2009 mahnt aber zur Vorsicht. Sie fand nur fünf kontrollierte Studien mit kleinen Gruppen. Alle stammen aus derselben Forschungsgruppe.

Üben Sie die Technik einige Male vor dem nächsten Termin. Das empfiehlt auch das Kölner Merkblatt. Wenn Sie Herz- oder Kreislaufprobleme haben, sprechen Sie vorher mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Was beim Impfen und bei der Blutabnahme hilft

  • Sagen Sie es vorher. Ein Satz reicht: „Ich habe große Angst vor Spritzen.“ Dann kann sich das Team auf Sie einstellen.
  • Lassen Sie sich den Ablauf erklären. Laut BIÖG sollen auch Erwachsene direkt vor der Impfung erfahren, wie geimpft wird und was dabei hilft.
  • Schauen Sie weg. Laut AOK kann es helfen, nicht auf die Nadel zu schauen.
  • Atmen Sie bewusst. Das BIÖG nennt Atemübungen als Ablenkung für Erwachsene. Zum Beispiel tiefes Durchatmen.
  • Fragen Sie nach Möglichkeiten gegen den Einstichschmerz. Es gibt Pflaster, die die Haut an der Einstichstelle betäuben. Laut BIÖG können sie auch Erwachsenen mit Angst helfen. Ob das für Sie passt, klärt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt.
  • Nehmen Sie jemanden mit. Eine vertraute Person an Ihrer Seite gibt Halt.

Angst vor Spritzen beim Zahnarzt

Beim Zahnarzt hat die Spritze eine wichtige Aufgabe. Sie schaltet den Schmerz aus. Die zahnärztliche Leitlinie nennt die örtliche Betäubung eine sichere und wirksame Methode. Laut Leitlinie trägt eine gute Schmerzausschaltung sogar dazu bei, die Angst zu verringern.

Diese Punkte können Sie mit der Praxis besprechen:

  1. Bitten Sie um eine Oberflächenbetäubung. Dabei wird die Schleimhaut an der Einstichstelle vorher betäubt. Das nimmt den Schmerz beim Einstich. Bei starker Zahnbehandlungsangst empfiehlt die Leitlinie das ausdrücklich.
  2. Bitten Sie um eine langsame Injektion. Laut Leitlinie kann eine langsame Gabe den Schmerz beim Spritzen verringern.
  3. Vereinbaren Sie ein Handzeichen. Heben Sie die Hand, wenn Sie eine Pause brauchen.
  4. Bitten Sie darum, die Spritze nicht zu sehen. Sie darf außerhalb Ihres Blickfelds bleiben.
  5. Sagen Sie, wenn Sie zur Ohnmacht neigen. Dann kann sich die Praxis darauf einstellen.

Im Artikel Angst vor dem Zahnarzt: Was tun? finden Sie weitere Hilfen für den ganzen Termin.

Wenn die Angst tiefer sitzt

Manchmal reichen alle Tipps nicht. Sie wissen, dass die Spritze beim Zahnarzt hilft. Und trotzdem sagen Sie den Termin wieder ab.

Eine Spritzenphobie mit Krankheitswert gehört in psychotherapeutische Hände. Die Kölner Angstambulanz empfiehlt je nach Fall die angewandte Anspannung oder eine Expositionstherapie. Dabei stellen Sie sich der Angst Schritt für Schritt.

Wenn die Spritze Ihr größtes Hindernis ist, setze ich im Coaching an. Das gilt beim Zahnarzt genauso wie bei Impfung oder Blutabnahme. Oft hängt diese Angst an frühen Erlebnissen. Mit emTrace® bearbeiten wir die emotionale Ladung dieser Erinnerungen. Sie müssen dafür nichts wiedererleben, was Sie nicht möchten. Damit der nächste Termin ruhiger wird.

Eine Ohnmachtsneigung gehört dagegen in ärztliche Hände. Das Coaching ersetzt keine ärztliche Abklärung und keine Psychotherapie. Mehr über meine Arbeit lesen Sie auf der Seite Zahnarztangst.

Häufige Fragen

Was tun gegen Angst vor Nadeln?

Sprechen Sie Ihre Angst vorher an und lassen Sie sich den Ablauf erklären. Schauen Sie weg und atmen Sie ruhig. Wenn Sie zur Ohnmacht neigen, sagen Sie es und legen Sie sich hin. Bei sehr starker Angst kommt eine Psychotherapie in Frage.

Wie heißt die Angst vor Spritzen?

Fachleute sprechen von Trypanophobie. Gemeint ist eine starke Angst vor Injektionen. Gebräuchlich ist auch das Wort Spritzenphobie. Lösen auch Blut und Verletzungen starke Angst aus, spricht man von einer Blut-Spritzen-Verletzungs-Phobie.

Warum werde ich bei Spritzen ohnmächtig?

Bei manchen Menschen steigen Herzschlag und Blutdruck zuerst an. Dann fallen sie plötzlich ab. Ihnen wird schwindelig oder schwarz vor Augen. Fachleute nennen das vasovagale Synkope. Lassen Sie eine Ohnmacht bitte ärztlich abklären.

Sind Betäubungsspritzen beim Zahnarzt gefährlich?

Die zahnärztliche Leitlinie nennt die örtliche Betäubung eine sichere und wirksame Methode. Wie bei jedem Medikament sind Nebenwirkungen aber möglich. Erzählen Sie Ihrer Praxis von Vorerkrankungen und Allergien. Fragen Sie nach den Risiken in Ihrem Fall.

Wie wird eine Blutspritzenphobie behandelt?

Die Behandlung gehört in psychotherapeutische Hände. Laut Kölner Angstambulanz hängt sie davon ab, ob Sie zur Ohnmacht neigen. Neigen Sie dazu, empfiehlt sich die angewandte Anspannung nach Öst. Ohne Ohnmachtsneigung empfiehlt sich eine Expositionstherapie.

Thorsten Springauf in seiner Praxis in Nettetal

Über den Autor

Thorsten Springauf ist Mental- und Emotionscoach mit eigener Praxis in Nettetal-Kaldenkirchen. Seit 2012 hat er über 1.200 Coachings begleitet, vor Ort und online. Er arbeitet mit emTrace® und MeSource auf Grundlage aktueller Emotions- und Hirnforschung.

  • emTrace®-Mastercoach
  • MeSource-Facilitator
  • Mimikresonanz®-Trainer und Profiler
  • NLP Master und Practitioner
Weitere Qualifikationen anzeigen
  • Ausbildung zum wingwave-Coach
  • Coach für Imaginative Systemstruktur-Aufstellung
  • Ziel- und Ressourcen-Coach
  • Ressourcen- und Modeling-Coach
  • Time-Line- und Stress-Imprinting-Coach
  • CORE-Transformation-Coach
  • Burnout-Prophylaxe-Coach
  • Coach für systemische Rollenklärung
  • Fitnesstrainer B-Lizenz (BSA-Akademie)
  • Trainer für Sportrehabilitation (BSA-Akademie)
  • Star 2 Spinning-Instructor
  • Polar Own-Zone-Guide

Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche, zahnärztliche oder psychotherapeutische Beratung. Coaching ist keine Therapie. Wenn Sie bei Spritzen oder beim Anblick von Blut schon einmal ohnmächtig geworden sind, lassen Sie das bitte ärztlich abklären. Die Anspannungstechnik ersetzt keine ärztliche Untersuchung. Über Betäubung und Medikamente entscheidet Ihre Ärztin oder Ihr Arzt.

Quellen
  1. McLenon, J. und Rogers, M. A. M. (2019): The fear of needles: A systematic review and meta-analysis. Journal of Advanced Nursing 75 (1), S. 30–42. https://doi.org/10.1111/jan.13818
  2. Universität zu Köln, Spezialambulanz für Angststörungen: Blut-, Verletzungs- und Spritzenphobie (Beschwerdebild, Ursachen, Therapie). Ohne Datum, abgerufen am 20.10.2026. https://blog.uni-koeln.de/angstambulanz/blut-verletzungs-und-spritzenphobie-beschwerdebild/
  3. Gerlach, A. L., Universität zu Köln, Klinische Psychologie und Psychotherapie: Informationsblatt zur Verhinderung von Ohnmacht bei der Blutspende. Ohne Datum. https://blog.uni-koeln.de/angstambulanz/files/2016/03/Informationsblatt-zur-Verhinderung-einer-Ohnmacht.pdf
  4. Öst, L.-G. und Sterner, U. (1987): Applied tension. A specific behavioral method for treatment of blood phobia. Behaviour Research and Therapy 25 (1), S. 25–29. https://doi.org/10.1016/0005-7967(87)90111-2
  5. Ayala, E. S., Meuret, A. E. und Ritz, T. (2009): Treatments for blood-injury-injection phobia: a critical review of current evidence. Journal of Psychiatric Research 43 (15), S. 1235–1242. https://doi.org/10.1016/j.jpsychires.2009.04.008
  6. AOK: Trypanophobie: Das kann man gegen die Angst vor Spritzen und Blutabnahme tun. Veröffentlicht am 19.05.2025, aktualisiert am 17.02.2026. https://www.aok.de/pk/magazin/koerper-psyche/psychologie/trypanophobie-so-kann-man-die-angst-vor-spritzen-ueberwinden/
  7. Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG), infektionsschutz.de: Stress- und schmerzarmes Impfen. Abgerufen am 20.10.2026. https://www.infektionsschutz.de/impfen/wissenswertes-zum-impfen/stress-und-schmerzarmes-impfen/
  8. DGZMK und Arbeitskreis Psychologie und Psychosomatik (AKPP): S3-Leitlinie Zahnbehandlungsangst beim Erwachsenen, Langversion, AWMF-Registernummer 083-020, Stand Oktober 2019, S. 31 f. https://www.dgzmk.de/documents/10165/1373255/083-020_S3_Zahnbehandlungsangst_Langversion.pdf/994827cc-9d49-4a39-8a0e-0737c92381d6 (Gültig bis Oktober 2024. Laut AWMF-Register wird sie zurzeit überarbeitet, abgerufen am 20.10.2026.)

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