Kurz gesagt
- Angst vor dem Zahnarzt ist weit verbreitet. Laut zahnärztlicher Leitlinie hat in Deutschland etwa jeder Zehnte hohe Angst.
- Sagen Sie der Praxis schon beim Anruf Bescheid. Dann kann sich das Team auf Sie einstellen.
- Ein vereinbartes Handzeichen für eine Pause gibt Ihnen im Behandlungsstuhl Kontrolle zurück.
- Wenn Sie den Zahnarzt aus Angst seit langem meiden, kann eine Dentalphobie dahinterstecken. Dann ist ärztliche oder psychotherapeutische Hilfe sinnvoll.
Angst vor dem Zahnarzt ist häufig
Sie sind mit Ihrer Angst nicht allein. Die zahnärztliche S3-Leitlinie zur Zahnbehandlungsangst hat die Studien aus Deutschland ausgewertet. Danach haben fast zwei Drittel der Befragten Angstgefühle vor der Zahnbehandlung. Etwa jeder Zehnte leidet unter hoher Angst.
Die Angst hat viele Gesichter. Manche fürchten den Schmerz. Andere ertragen das Geräusch des Bohrers kaum. Wieder andere halten es schwer aus, mit offenem Mund still zu liegen. Die Leitlinie nennt diese erzwungene Passivität ausdrücklich. Sie können nicht sprechen. Sie sehen nicht, was passiert. Das fühlt sich für viele Menschen wie Ausgeliefertsein an.
Warum der Körper beim Zahnarzt Alarm schlägt
Bei Erwachsenen entsteht Zahnbehandlungsangst selten aus dem Nichts. Laut Leitlinie berichten die meisten Betroffenen von einem Beginn in der Kindheit oder Jugend. Fachleute nennen vor allem drei Einflüsse:
- Schmerzhafte Erfahrungen. Viele Menschen mit Zahnarztangst erinnern sich an eine Behandlung, die sehr wehgetan hat.
- Was Kinder von anderen lernen. Eltern oder Geschwister können Angst weitergeben. Etwa durch Erzählungen oder durch ihr eigenes Verhalten beim Zahnarzt.
- Die eigene Empfindsamkeit. Manche Menschen reagieren von Natur aus ängstlicher. Auch das Gefühl von fehlender Kontrolle hält die Angst am Leben.
Ihre Angst ist also keine Charakterschwäche. Sie ist zu einem großen Teil gelernt. Mehr zu den Ursachen lesen Sie auf der Seite Zahnarztangst.
Was vor dem Termin hilft
- Sagen Sie es gleich beim Anruf. Ein Satz reicht: „Ich habe große Angst vor dem Zahnarzt.“ Die Leitlinie empfiehlt Praxen sogar, schon im ersten Fragebogen nach Angst zu fragen. Kreuzen Sie dort ehrlich an.
- Wählen Sie eine ruhige Uhrzeit. Planen Sie den Termin so, dass Sie nicht gehetzt sind. Manche wählen bewusst den frühen Morgen. Dann bleibt weniger Zeit zum Grübeln.
- Bitten Sie um ein erstes Gespräch. Der erste Termin muss keine Behandlung sein. Sie können die Praxis erst einmal kennenlernen. Im Artikel Angstpatienten beim Zahnarzt lesen Sie, woran Sie eine gute Praxis erkennen.
- Nehmen Sie eine Begleitung mit. Eine vertraute Person im Wartezimmer gibt Halt. Fragen Sie vorher, ob sie auch mit ins Behandlungszimmer darf.
- Schreiben Sie Ihre Fragen auf. Was wird gemacht? Wie lange dauert es? Wann darf ich eine Pause machen? Unter Anspannung vergisst man vieles.
- Machen Sie den Abend davor ruhig. Legen Sie bereit, was Sie brauchen. Je weniger Sie am Morgen organisieren müssen, desto ruhiger starten Sie.
Was im Wartezimmer hilft
- Atmen Sie langsam aus. Lassen Sie das Ausatmen etwas länger werden als das Einatmen. Die Leitlinie nennt Atemübungen als Hilfe für ängstliche Patienten.
- Lenken Sie Ihre Aufmerksamkeit nach außen. Zählen Sie Gegenstände im Raum. Oder spüren Sie bewusst Ihre Füße auf dem Boden.
- Hören Sie Musik. Musik oder ein Hörbuch können ablenken. Die Leitlinie nennt Musik als mögliche Unterstützung. Die Studien dazu zeigen allerdings kein einheitliches Bild. Bei sehr großer Angst reicht reines Zuhören womöglich nicht aus.
- Kommen Sie nicht zu früh. Langes Warten gibt den Gedanken viel Raum. Ein kleiner Puffer genügt.
Was im Behandlungsstuhl hilft
- Vereinbaren Sie ein Handzeichen. Zum Beispiel heben Sie die linke Hand. Dann hält die Zahnärztin oder der Zahnarzt kurz inne. Die Leitlinie nennt solche Stoppsignale ausdrücklich. Sie stärken das Gefühl von Kontrolle. Schon das Wissen um eine mögliche Pause kann Druck herausnehmen.
- Bitten Sie um Ankündigung. Eine gute Praxis sagt vorher, was als Nächstes kommt. Auch, was Sie dabei spüren werden. Genau das empfiehlt die Leitlinie.
- Sprechen Sie Schmerzen sofort an. Die örtliche Betäubung gilt laut Leitlinie als sichere und wirksame Methode. Auf eine ausreichende Betäubung soll die Praxis achten. Sagen Sie also Bescheid, wenn Sie noch etwas spüren.
- Fragen Sie nach Kopfhörern. Für manche ist gerade das Bohrgeräusch der stärkste Auslöser. Mit Kopfhörern hören Sie Ansagen schlechter. Dann ist das Handzeichen umso wichtiger.
- Lassen Sie die Augen offen oder schließen Sie sie. Probieren Sie aus, was Ihnen guttut. Manche schauen lieber an die Decke. Andere wollen nichts sehen.
Wenn vor allem die Betäubungsspritze Ihnen Angst macht, lesen Sie den Artikel Angst vor Spritzen.
Was nach dem Termin hilft
Nach dem Termin ist vor dem nächsten. Mit diesen Schritten halten Sie die gute Erfahrung fest:
- Würdigen Sie, was Sie geschafft haben. Sie sind hingegangen. Das zählt. Gönnen Sie sich danach bewusst etwas Gutes.
- Schreiben Sie auf, was gut lief. Zwei oder drei Sätze reichen. Hat das Handzeichen funktioniert? War die Betäubung gut? Lesen Sie die Notiz vor dem nächsten Termin noch einmal.
- Vereinbaren Sie den nächsten Termin gleich. Das rät auch die AOK. So rutscht er nicht wieder nach hinten.
Jeder gut überstandene Termin stärkt Ihre Zuversicht. Fachleute nennen das Selbstwirksamkeit. Laut Leitlinie wächst sie vor allem durch eigene gute Erfahrungen. Auch lange Pausen spielen eine Rolle. Nach einer behandelten Angst steigt das Risiko eines Rückfalls mit der Zeit bis zur nächsten Behandlung. Die Leitlinie empfiehlt dann regelmäßige Kontrollen, mindestens alle sechs Monate.
Wann Zahnarztangst zur Phobie wird
Aufregung vor dem Termin ist normal. Krankheitswert hat die Angst laut Leitlinie, wenn sie Sie stark leiden lässt. Und wenn sie im Verhältnis zur tatsächlichen Gefahr übertrieben ist. Fachleute sprechen dann von Zahnbehandlungsphobie oder Dentalphobie. In der Klassifikation der Krankheiten ICD-10 gehört sie zu den spezifischen Phobien. Der Zahnarztbesuch ist dort ausdrücklich genannt.
Mögliche Anzeichen einer Dentalphobie
- Sie meiden den Zahnarzt seit Jahren, obwohl Sie Beschwerden haben.
- Schon der Gedanke an einen Termin löst Herzklopfen, Übelkeit oder Panik aus.
- Sie sagen Termine immer wieder ab.
- Die Angst belastet Sie auch an Tagen ohne Termin.
Diese Liste ist kein Test. Die Diagnose stellt laut Leitlinie nicht der Zahnarzt. Das tun Fachärztinnen und Fachärzte für Psychiatrie oder Psychosomatik sowie Psychologische Psychotherapeuten. Ihre Hausarztpraxis kann Ihnen helfen, die richtige Stelle zu finden.
Bei einer Dentalphobie empfiehlt die Leitlinie eine Psychotherapie. An erster Stelle steht die kognitive Verhaltenstherapie. Beruhigungsmittel oder eine Narkose helfen, eine einzelne Behandlung zu überstehen. An der Angst selbst ändern sie laut Leitlinie langfristig nichts.
Eine Ausnahme gilt immer. Bei starken Schmerzen, Schwellung oder Fieber warten Sie bitte nicht. Gehen Sie dann sofort in eine Zahnarztpraxis oder zum zahnärztlichen Notdienst.
Wenn Tipps allein nicht reichen
Tipps helfen Ihnen durch einen Termin. Wenn die Angst tiefer sitzt, reichen sie manchmal nicht. Sie haben alles vorbereitet. Und trotzdem sind Sie schon Tage vorher angespannt.
Oft hängt die Angst an früheren Erfahrungen. An einer Behandlung, die wehgetan hat. Oder an einem Moment, in dem Sie sich ausgeliefert fühlten. Das emotionale Gedächtnis hat diese Situation als Gefahr gespeichert. Heute reicht ein Geruch oder ein Geräusch, und der Körper schaltet auf Alarm.
Genau dort setze ich im Coaching an. Im ersten Termin suchen wir die Erlebnisse, an denen Ihre Angst hängt. Sie müssen dafür nichts wiedererleben, was Sie nicht möchten. Mit emTrace® bearbeiten wir die emotionale Ladung dieser Erinnerungen. Dazu lernen Sie Techniken, mit denen Sie sich vor und während der Behandlung selbst beruhigen können. Erfahrungsgemäß reichen dafür wenige Sitzungen.
Das Coaching ersetzt keine Zahnbehandlung und keine Psychotherapie. Wenn Sie eine Dentalphobie vermuten, lassen Sie das bitte zuerst abklären. Im kostenlosen Erstgespräch sage ich Ihnen offen, ob ich der richtige Ansprechpartner bin. Mehr über meine Arbeit lesen Sie auf der Seite Zahnarztangst.





