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10 Jahre nicht beim Zahnarzt

Der letzte Termin beim Zahnarzt ist lange her. Vielleicht fünf Jahre, vielleicht zehn oder mehr. Mit jedem Jahr wurde der Anruf schwerer. Hier finden Sie einen Plan für das Telefonat und den ersten Termin. Dazu ehrliche Antworten zu Krankenkasse und Bonusheft.

Von Thorsten Springauf, Mental- und Emotionscoach Lesezeit 7 Minuten Stand Oktober 2026

Ein Mann sitzt auf einer Parkbank und schaut mit dem Handy in der Hand auf einen Zettel mit einer Telefonnummer

Kurz gesagt

  • Sie sind nicht allein. Laut BARMER war 2022 fast jeder dritte Versicherte kein einziges Mal beim Zahnarzt.
  • Sie dürfen Ihre Angst schon am Telefon ansprechen. Ein kurzer Satz reicht.
  • Der erste Termin kann ein reines Kennenlernen sein. Sie entscheiden mit, was danach passiert.
  • Die gesetzliche Kasse zahlt die Kontrolle auch nach einer langen Pause. Die Lücke wirkt sich vor allem auf den Bonus beim Zahnersatz aus.

Sie sind nicht allein

Lange Pausen beim Zahnarzt sind häufiger, als Sie denken. Laut BARMER-Zahnreport 2024 waren 2022 bundesweit nur 68,6 Prozent der Versicherten mindestens einmal in einer Zahnarztpraxis. Fast jeder Dritte war in diesem Jahr also gar nicht dort.

Die Gründe sind verschieden. Manche ziehen um oder haben wenig Zeit. Andere sorgen sich um die Kosten. Und sehr oft spielt Angst mit. In einer bundesweiten Befragung des Instituts der Deutschen Zahnärzte gaben 2011 rund 60 Prozent der Erwachsenen an, zumindest ein wenig Angst vor dem Zahnarzt zu haben. 12 Prozent hatten starke Angst. So steht es in der zahnärztlichen Leitlinie zur Zahnbehandlungsangst.

Mit jedem Jahr kommt oft noch etwas dazu: Scham. Was wird die Zahnärztin sagen? Wie erkläre ich die lange Pause? Wenn diese Fragen Sie besonders beschäftigen, lesen Sie auch den Artikel Verfaulte Zähne und Angst vorm Zahnarzt.

Ist eine lange Pause schlimm?

Das kann aus der Ferne niemand beurteilen. Es hängt von Ihren Zähnen ab. Manche Probleme tun aber lange nicht weh. Das ist der wichtigste Grund, warum sich der Termin auch ohne Schmerzen lohnt.

Laut dem Gesundheitsportal des IQWiG bleibt eine Zahnfleischentzündung meist lange unbemerkt. Sie verursacht oft keine Schmerzen. Auch eine Parodontitis macht häufig erst Beschwerden, wenn sie fortgeschritten ist.

Die zahnärztliche Leitlinie beschreibt einen Kreislauf, den viele Angstpatienten kennen. Die Angst führt dazu, dass man die Behandlung meidet. Dadurch werden die Zähne oft schlechter. Das macht größere Eingriffe wahrscheinlicher. Und das steigert wieder die Angst.

Der beste Zeitpunkt für den Anruf ist deshalb nicht irgendwann. Er ist jetzt. Je früher Sie diesen Kreislauf unterbrechen, desto mehr Spielraum haben Sie.

Bei starken Schmerzen, Schwellung oder Fieber warten Sie bitte nicht ab. Dann gehen Sie sofort in eine Zahnarztpraxis oder zum zahnärztlichen Notdienst.

Der Anruf: So sprechen Sie es an

Sagen Sie gleich zu Beginn, wie es Ihnen geht. Sie müssen nichts erklären und nichts rechtfertigen. Die Praxis braucht diese Information, um sich auf Sie einzustellen.

So könnte Ihr Anruf klingen:

  • „Guten Tag, ich war seit etwa zehn Jahren nicht beim Zahnarzt.“
  • „Ich habe große Angst und schäme mich ein bisschen.“
  • „Ich hätte gern einen ersten Termin nur zum Kennenlernen.“
  • „Haben Sie Erfahrung mit Angstpatienten?“

Diese Punkte machen das Telefonat leichter:

  1. Schreiben Sie sich die Sätze auf. Legen Sie den Zettel vor sich. Ablesen ist erlaubt.
  2. Legen Sie den Zeitpunkt vorher fest. Zum Beispiel morgen um neun Uhr. Je länger Sie warten, desto lauter werden die Zweifel.
  3. Suchen Sie gezielt. Manche Praxen schreiben auf ihrer Internetseite, dass sie sich auf ängstliche Menschen eingestellt haben. Dort fällt der erste Satz oft leichter.
  4. Nutzen Sie andere Wege. Manche Praxen bieten Termine online oder per E-Mail an. Dann schreiben Sie Ihre Angst einfach in das Feld für Bemerkungen.
  5. Holen Sie sich Unterstützung. Erzählen Sie einem vertrauten Menschen von Ihrem Plan. Diese Person kann auch neben Ihnen sitzen, während Sie anrufen.

Was beim ersten Termin passiert

Der erste Termin muss keine Behandlung sein. Sie können ausdrücklich um ein Gespräch und eine Untersuchung bitten. Alles Weitere wird danach geplant.

Meist sprechen Sie zuerst über Ihre Vorgeschichte und Ihre Beschwerden. Dann schaut die Zahnärztin oder der Zahnarzt in Ihren Mund. Danach bekommen Sie eine Einschätzung, was zu tun ist. Die zahnärztliche Leitlinie empfiehlt Praxen sogar, die Höhe der Angst mit einem kurzen Fragebogen zu erfassen. Ihre Angst ist dort also ein ganz normales Thema.

Die Leitlinie nennt außerdem vier Wünsche von Patienten an die Behandlung. Praxen sollen sie beachten:

  • eine schmerzfreie Behandlung
  • verständliche Information
  • Einfühlung
  • das Gefühl, die Kontrolle zu behalten

Dazu passen ein vereinbartes Stoppzeichen und das Ankündigen jedes Schritts. Fragen Sie danach. Eine gute Praxis nimmt das ernst.

Sie müssen an diesem Tag nichts entscheiden. Lassen Sie sich den Plan in Ruhe erklären. Fragen Sie nach, was dringend ist und was warten kann. Wenn Ihnen beim Abdruck oder bei Instrumenten im Mund schnell übel wird, lesen Sie auch den Artikel Würgereiz beim Zahnarzt.

Kasse und Bonusheft: kurz und ehrlich

Die gute Nachricht zuerst: Gesetzlich versicherte Erwachsene können einmal pro Halbjahr kostenlos zur Kontrolluntersuchung gehen. Das gilt auch nach zehn Jahren Pause. Einmal pro Jahr ist laut Verbraucherzentrale auch die Zahnsteinentfernung Kassenleistung.

Die Pause wirkt sich vor allem auf den Zuschuss beim Zahnersatz aus. Laut der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung (KZBV) gilt:

  • Der Grundzuschuss der Kasse liegt bei 60 Prozent der Kosten für die Regelversorgung.
  • Wer fünf Jahre lückenlos jedes Jahr zur Untersuchung war, bekommt 70 Prozent.
  • Nach zehn Jahren sind es 75 Prozent. Hier darf die Kasse eine einmalige Lücke ausnahmsweise akzeptieren, wenn sie begründet ist.

Nach einer langen Pause gilt also zunächst der Grundzuschuss. Ab Ihrem nächsten Termin können Sie wieder Stempel im Bonusheft sammeln. Was in Ihrem Fall genau gilt, sagt Ihnen Ihre Krankenkasse. Privat Versicherte schauen in ihren Tarif.

Wenn Sie den Anruf allein nicht schaffen

Vielleicht haben Sie solche Tipps schon oft gelesen. Sie haben die Nummer gespeichert. Und trotzdem legen Sie das Handy jedes Mal wieder weg.

Dann ist die Angst stärker als jeder Plan. Oft hängt sie an alten Erfahrungen. An einer schmerzhaften Behandlung als Kind. Oder an einem Satz, der Sie beschämt hat. Ihr Nervensystem schaltet auf Alarm, lange bevor Sie in der Praxis sind.

Genau dort setze ich im Coaching an. Mit emTrace® bearbeiten wir die emotionale Ladung dieser Erfahrungen. Damit der Anruf machbar wird. Und die Tage vor dem Termin ruhiger. Erfahrungsgemäß reichen dafür wenige Sitzungen.

Das Coaching ersetzt nicht die Zahnärztin oder den Zahnarzt. Es bereitet Sie auf den Weg dorthin vor. Wer den Weg nach Nettetal scheut, kann auch online per Video arbeiten. Mehr dazu lesen Sie auf der Seite Zahnarztangst.

Häufige Fragen

Ist es schlimm, wenn man 2 Jahre nicht beim Zahnarzt war?

Zwei Jahre sind kein Grund zur Panik und kein Grund zur Scham. Allerdings bleiben Zahnfleischentzündungen und Parodontitis oft lange ohne Beschwerden. Eine Kontrolle zeigt, ob alles in Ordnung ist. Gesetzlich Versicherte können einmal pro Halbjahr kostenlos zur Kontrolle gehen.

Zahlt die Krankenkasse, wenn man lange nicht beim Zahnarzt war?

Ja. Die Kontrolluntersuchung zahlt die gesetzliche Kasse auch nach einer langen Pause. Die Lücke wirkt sich auf den Bonus beim Zahnersatz aus. Dann gilt zunächst der Grundzuschuss von 60 Prozent der Regelversorgung.

Wie viele Menschen gehen nicht zum Zahnarzt?

Laut BARMER-Zahnreport waren 2022 bundesweit 68,6 Prozent der Versicherten mindestens einmal beim Zahnarzt. Fast jeder Dritte war in diesem Jahr also nicht dort. Wie viele Menschen über viele Jahre gar nicht gehen, zeigen diese Zahlen nicht.

Was machen Zahnärzte bei Angstpatienten?

Gute Praxen nehmen sich Zeit für ein Gespräch und erklären jeden Schritt. Sie vereinbaren mit Ihnen ein Stoppzeichen. So empfiehlt es auch die zahnärztliche Leitlinie zur Zahnbehandlungsangst. Bei sehr starker Angst rät sie zur Zusammenarbeit mit einer Psychotherapeutin oder einem Psychotherapeuten.

Wie erkläre ich der Praxis, dass ich so lange nicht da war?

Sagen Sie es einfach und ohne Rechtfertigung. Ein Satz wie „Ich war lange nicht beim Zahnarzt und habe Angst“ reicht völlig. Sie müssen nicht erklären, warum. Die Praxis braucht die Information vor allem, um sich auf Sie einzustellen.

Thorsten Springauf in seiner Praxis in Nettetal

Über den Autor

Thorsten Springauf ist Mental- und Emotionscoach mit eigener Praxis in Nettetal-Kaldenkirchen. Seit 2012 hat er über 1.200 Coachings begleitet, vor Ort und online. Er arbeitet mit emTrace® und MeSource auf Grundlage aktueller Emotions- und Hirnforschung.

  • emTrace®-Mastercoach
  • MeSource-Facilitator
  • Mimikresonanz®-Trainer und Profiler
  • NLP Master und Practitioner
Weitere Qualifikationen anzeigen
  • Ausbildung zum wingwave-Coach
  • Coach für Imaginative Systemstruktur-Aufstellung
  • Ziel- und Ressourcen-Coach
  • Ressourcen- und Modeling-Coach
  • Time-Line- und Stress-Imprinting-Coach
  • CORE-Transformation-Coach
  • Burnout-Prophylaxe-Coach
  • Coach für systemische Rollenklärung
  • Fitnesstrainer B-Lizenz (BSA-Akademie)
  • Trainer für Sportrehabilitation (BSA-Akademie)
  • Star 2 Spinning-Instructor
  • Polar Own-Zone-Guide

Dieser Artikel ersetzt keine zahnärztliche, ärztliche oder psychotherapeutische Beratung. Coaching ist keine Therapie und ersetzt keine Zahnbehandlung. Die Angaben zur Krankenkasse sind allgemein. Was in Ihrem Fall gilt, klären Sie bitte mit Ihrer Kasse. Wenn Ihre Angst Sie seit Jahren von jeder Behandlung abhält, sprechen Sie bitte auch mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Quellen
  1. BARMER: Zahnreport 2024, Präsentation vom 22.07.2024 (bundesweite Inanspruchnahme 2022: 68,6 Prozent). https://www.barmer.de/resource/blob/1274936/1a9a726483bea7a1339e56a8d3643ebc/dl-praesentation-ergebnisse-sh-zahnreport-2024-data.pdf
  2. DGZMK und Arbeitskreis Psychologie und Psychosomatik (AKPP): S3-Leitlinie Zahnbehandlungsangst beim Erwachsenen, Langversion, AWMF-Registernummer 083-020, Stand Oktober 2019, S. 1, S. 6 (Befragung des IDZ nach Micheelis 2012), S. 11 und S. 57 f. https://www.dgzmk.de/documents/10165/1373255/083-020_S3_Zahnbehandlungsangst_Langversion.pdf/994827cc-9d49-4a39-8a0e-0737c92381d6 (Gültig bis Oktober 2024. Laut AWMF-Leitlinie 083-047 vom Februar 2026 wird sie überarbeitet.)
  3. IQWiG, gesundheitsinformation.de: Zahnfleischentzündung und Parodontitis. Aktualisiert am 23.08.2023. https://www.gesundheitsinformation.de/zahnfleischentzuendung-und-parodontitis.html
  4. Verbraucherzentrale: Welche Zahnvorsorge zahlt die Krankenkasse? Stand 17.04.2025. https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/gesundheit-pflege/krankenversicherung/welche-zahnvorsorge-zahlt-die-krankenkasse-12913
  5. Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung (KZBV): Bonusheft. https://www.kzbv.de/patienten/patient-und-krankenkasse/bonusheft/
  6. Verbraucherzentrale: Mehr Zuschuss beim Zahnersatz. Stand 26.01.2026. https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/gesundheit-pflege/krankenversicherung/mehr-zuschuss-beim-zahnersatz-50645
  7. Sozialgesetzbuch Fünftes Buch (SGB V), § 55 Leistungsanspruch (Festzuschüsse beim Zahnersatz). https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_5/__55.html

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