Kurz gesagt
- Überforderung ist mehr als eine stressige Woche. Die Anforderungen sind über längere Zeit größer als das, was Sie leisten können.
- Sie sind damit nicht allein. In einer großen Befragung der BAuA von 2024 gaben 15 Prozent an, regelmäßig an der Grenze ihrer Leistungsfähigkeit zu arbeiten.
- Es gibt äußere Ursachen wie zu viel Arbeit oder unklare Ziele. Und es gibt innere Ursachen wie sehr hohe Ansprüche an sich selbst.
- Äußere Ursachen lösen Sie mit Gesprächen und klaren Prioritäten. Innere Muster lösen Sie nicht mit Zeitmanagement.
Überforderung oder normaler Stress?
Normaler Stress kommt und geht. Überforderung bleibt. Eine anstrengende Woche vor einer Frist ist normal. Danach erholen Sie sich wieder. Bei Überforderung kommt diese Erholung nicht mehr.
Von Überforderung spreche ich, wenn die Anforderungen über Wochen größer sind als Ihre Möglichkeiten. Es fehlt dann an Zeit oder Wissen. Oder an Klarheit und Unterstützung.
Ein einfacher Prüfstein ist das Wochenende. Erholen Sie sich dort noch spürbar? Dann ist es wahrscheinlich eine anstrengende Phase. Sind Sie am Sonntagabend schon wieder angespannt? Dann ist es mehr als das.
Wie verbreitet ist Überlastung am Arbeitsplatz?
Sehr verbreitet. Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) befragt regelmäßig Erwerbstätige in Deutschland. In der Befragung von 2024 gaben die Befragten an, diesen Bedingungen häufig ausgesetzt zu sein:
- 64 Prozent: mehrere Aufgaben gleichzeitig bearbeiten
- 45 Prozent: Störungen und Unterbrechungen
- 43 Prozent: starker Termin- oder Leistungsdruck
- 31 Prozent: sehr schnell arbeiten müssen
- 15 Prozent: regelmäßig an der Grenze der Leistungsfähigkeit arbeiten
Die Arbeit an der Grenze der Leistungsfähigkeit empfinden laut BAuA mehr als 80 Prozent als belastend. Und wenn alle diese Bedingungen häufig zusammenkommen, fühlen sich 52 Prozent körperlich und emotional erschöpft.
Auch die Krankenkassen sehen die Folgen. Laut DAK-Psychreport 2026 verursachten psychische Erkrankungen im Jahr 2025 je 100 Versicherte 366 Fehltage. Im Vorjahr waren es 342. Damit lagen sie auf Platz zwei aller Krankheitsgruppen. Eine solche Krankschreibung dauerte im Schnitt rund 34 Tage. Nicht jede dieser Erkrankungen hat mit der Arbeit zu tun. Die Zahlen zeigen aber: Psychische Belastung ist kein Randthema. Und wenn es Ihnen so geht, ist das kein persönliches Versagen.
Woran Sie Überforderung erkennen
Überforderung zeigt sich selten an nur einer Stelle. Achten Sie besonders auf Veränderungen in Ihrem Arbeitsalltag:
- Pausen fallen weg. Sie essen am Schreibtisch oder gar nicht.
- Sie arbeiten abends und am Wochenende weiter, um hinterherzukommen.
- Früher leichte Aufgaben schieben Sie heute vor sich her.
- Ihnen unterlaufen Fehler, die Ihnen sonst nicht passieren.
- Kleine Rückfragen oder neue Mails bringen Sie aus der Fassung.
- Sie ziehen sich aus dem Team zurück und sagen private Termine ab.
- Sie haben ständig das Gefühl, nie fertig zu werden.
- Der Gedanke an Montag verdirbt Ihnen schon den Sonntag.
Dazu kommen oft körperliche Zeichen wie schlechter Schlaf, Verspannungen oder Magenprobleme. Weitere Warnsignale finden Sie auf der Seite Stress-Coaching und Burnout-Prävention. Lassen Sie körperliche Beschwerden bitte immer ärztlich abklären. Was anhaltender Stress im Körper bewirkt, erkläre ich im Artikel Chronischer Stress auf meiner Seite für Einsatzkräfte.
Ist das schon ein Burnout?
Nicht unbedingt. Überforderung ist ein Warnsignal. Ein Burnout kann sich daraus entwickeln, wenn die Belastung lange anhält.
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) beschreibt Burnout in der ICD-11 als Folge von chronischem Stress am Arbeitsplatz, der nicht erfolgreich bewältigt wurde. Typisch sind drei Merkmale: Erschöpfung, innere Distanz zur Arbeit und nachlassende Leistungsfähigkeit. Die WHO führt Burnout dabei nicht als Krankheit. Sie ordnet es als Phänomen im Arbeitskontext ein.
Wenn Sie sich in allen drei Merkmalen wiederfinden, lassen Sie das bitte ärztlich abklären. Ein Burnout gehört in ärztliche oder therapeutische Hände.
Liegt es an der Arbeit oder an mir?
Meist an beidem. Der Psychologe Gert Kaluza unterscheidet drei Ebenen von Stress. Da sind die Stressoren von außen. Da sind persönliche Stressverstärker in Ihnen. Und da ist Ihre Stressreaktion. Für die Frage nach der Ursache sind die ersten beiden Ebenen entscheidend.
Vier äußere Ursachen
- Menge: Es ist schlicht zu viel Arbeit für die Zeit, die Sie haben.
- Können: Ihnen fehlen Wissen oder Einarbeitung für eine neue Aufgabe.
- Klarheit: Ziele, Zuständigkeiten oder Prioritäten sind unklar. Oder sie widersprechen sich.
- Mittel: Es fehlen Personal, Werkzeuge oder Entscheidungsspielraum.
Die innere Seite
Manche Menschen tragen dieselbe Last gelassener als andere. Der Unterschied liegt oft in inneren Leitsätzen. „Ich muss alles perfekt machen.“ „Ich darf niemanden enttäuschen.“ „Ich muss das allein schaffen.“ Solche Sätze machen aus einer vollen Woche eine Überforderung. Was dahintersteckt, lesen Sie im Artikel Innere Antreiber.
Eine ehrliche Frage hilft bei der Einordnung: Würde eine Kollegin in Ihrer Lage dieselbe Last spüren? Wenn ja, liegt es vor allem an der Arbeit. Wenn nein, lohnt ein Blick nach innen. Meist ist es eine Mischung aus beidem.
Was Sie selbst tun können
- Machen Sie die Last sichtbar. Schreiben Sie eine Woche lang auf, was Sie tun und wie lange es dauert. Dann sprechen Sie über Fakten statt über Gefühle.
- Sortieren Sie nach Wichtigkeit. Was muss diese Woche fertig werden? Was kann warten? Was kann jemand anders übernehmen?
- Bereiten Sie das Gespräch mit Ihrer Führungskraft vor. Nennen Sie konkrete Aufgaben, Zeiten und Folgen. Bringen Sie einen Vorschlag mit. Bitten Sie um eine klare Entscheidung, was Vorrang hat.
- Schützen Sie Ihre Pausen. Pausen sind kein Luxus. Das Arbeitszeitgesetz schreibt bei mehr als sechs Stunden Arbeit mindestens 30 Minuten Pause vor. Bei mehr als neun Stunden sind es 45 Minuten.
- Setzen Sie einen klaren Schlusspunkt. Notieren Sie am Ende des Tages, was morgen als Erstes kommt. Dann darf die Arbeit bis morgen warten. Wenn die Gedanken trotzdem kreisen, helfen die Techniken im Artikel Gedankenkarussell stoppen.
Was ist eine Überlastungsanzeige?
Manche Beschäftigte zeigen ihre Überlastung dem Arbeitgeber schriftlich an. Das nennt man Überlastungsanzeige oder Gefährdungsanzeige. Gesetzlich geregelt ist sie nicht. Die Gewerkschaft ver.di verweist dafür auf die Pflichten der Beschäftigten in den §§ 15 und 16 des Arbeitsschutzgesetzes. Der Arbeitgeber wiederum muss Gefährdungen am Arbeitsplatz beurteilen. Dazu zählen laut § 5 des Gesetzes ausdrücklich auch psychische Belastungen bei der Arbeit.
Lassen Sie sich vor einer Überlastungsanzeige beraten. Ansprechpartner sind Betriebs- oder Personalrat, Ihre Gewerkschaft oder eine Fachanwältin für Arbeitsrecht.
Für Führungskräfte: Druck von oben und von unten
Führungskräfte stehen oft doppelt unter Druck. Sie sollen Ziele erreichen und gleichzeitig ihr Team schützen. Viele funktionieren lange weiter, weil alle auf sie schauen. So bleibt eine Überlastung oft lange unbemerkt.
Die BAuA nennt Stellschrauben gegen zu hohe Arbeitsintensität. Führungskräfte können sie direkt beeinflussen:
- Geben Sie Ihrem Team mehr Spielraum bei Arbeitstempo und Inhalten.
- Sorgen Sie für ausreichende Ressourcen.
- Geben Sie regelmäßig Rückmeldung.
- Unterstützen Sie Ihre Leute auch menschlich.
Und achten Sie auf sich selbst. Ihr Team orientiert sich an Ihnen. Wer selbst nie Pause macht, sendet eine stille Botschaft an alle. Sprechen Sie offen über eigene Grenzen. Das macht es auch Ihrem Team leichter.
Wenn bessere Planung nicht reicht
Manche Menschen haben schon vieles versucht. Bessere Planung. Klare Gespräche. Neue Werkzeuge. Trotzdem bleibt das Gefühl, nie genug zu tun. Dann liegt es selten nur an der Menge.
Oft wirkt ein inneres Muster mit. Sie sagen Ja, obwohl der Kalender voll ist. Sie übernehmen Aufgaben, die nicht Ihre sind. Sie geben eine Arbeit erst ab, wenn sie perfekt ist. Solche Muster sitzen tief. Ein Seminar zum Zeitmanagement erreicht sie kaum.
Genau dort setze ich im Coaching an. Zuerst klären wir, ob die Last vor allem von außen kommt. Oder ob ein inneres Muster sie verstärkt. Mit emTrace® und MeSource bearbeiten wir dann die emotionale Ladung, die an diesem Muster hängt. Damit Sie Nein sagen können, ohne sich schlecht zu fühlen. Und Ihre Kraft dort einsetzen, wo sie wirklich gebraucht wird. Erfahrungsgemäß reichen dafür wenige Sitzungen.
Wenn bereits ein Burnout oder eine Depression vorliegt, ist Coaching nicht der richtige Weg. Dann gehören Sie in ärztliche oder psychotherapeutische Hände. Im Erstgespräch sage ich Ihnen offen, wenn Ihr Anliegen woanders besser aufgehoben ist.
„Seit ich mit Herr Springauf arbeite erreiche ich meine selbst gesetzten Ziele kontinuierlich und entspannt!“





